Der Regenbogenbock – Vater und Sohn gemeinsam auf der Jagd

Ges­tern war ich zum 12. Mal mit mei­nem Sohn auf dem Ansitz, seit über einem Jahr ver­su­chen wir zusam­men einen Bock zu erle­gen.

Wir hat­ten auch schon das ein oder ande­re Mal Anblick, aber dann saß der Gehör­schutz noch nicht rich­tig oder das Stück stand nicht so, dass man einen siche­ren Schuss antra­gen konn­te. Ich erklär­te ihm, wel­che Stü­cke wir wann schie­ßen dür­fen, wel­ches Wild wir in unse­rem Revier haben, was Hege bedeu­tet, wie man das erleg­te Stück behan­delt und wie man es ehrt. Auch Geschich­ten aus mei­ner Jugend muss­ten her­hal­ten um die lan­ge Zeit für einen Sie­ben­jäh­ri­gen etwas zu ver­kür­zen. Er war schon ziem­lich gefrus­tet, da es nie klapp­te. Doch ges­tern konn­te ich ihn noch­mal dazu bewe­gen, mit mir mit­zu­kom­men.

Waid­manns­heil für den nächs­ten Ansitz

Also, wir alles fer­tig gemacht, das Auto bela­den und raus ins Revier. Da gera­de Feri­en sind, darf es heu­te spä­ter wer­den. Um 18 Uhr sit­zen wir auf unse­rem Hoch­sitz bei schöns­tem Son­nen­schein. Doch bald dar­auf fängt es an zu stür­men, danach ein ordent­li­cher Regen­guss und Max fragt, ob wir nicht lie­ber gehen sol­len. Ich aber ent­schei­de „Wir blei­ben noch ein biss­chen“. Nach dem Schau­er kommt die Son­ne wie­der her­vor und wir stau­nen nicht schlecht über den schö­nen Regen­bo­gen. Mein Sohn schaut mich an und sagt freu­de­strah­lend „Da darf man sich was wün­schen!“.

Was für ein tol­les Gefühl mit mei­nem Sohn ein Teil der Natur zu sein und ihre gan­ze Schön­heit zu genie­ßen! Dann kehrt inner­li­che Ruhe ein, es kommt die Zeit, in der das Wild lang­sam aktiv wird und bei uns die Span­nung steigt. Ein Fuchs macht den Anfang. Der Rei­ne­ke schnürt am Wald­rand ent­lang und dann direkt auf uns zu. Ein herr­li­cher Anblick, den ich ger­ne mit mei­nem klei­nen Beglei­ter tei­le. Die nächs­ten 30 Minu­ten pas­siert nichts, bis wir dann am Wald­rand eine Bewe­gung wahr­neh­men. Beim Blick durch mei­ne Optik mel­de ich Max „Reh­wild“. Sei­ne Auf­re­gung muss ich lei­der ent­täu­schen, es ist eine Geiß. Doch schon der Anblick ist schön und so schau­en wir der Geiß bis kurz nach neun Uhr zu.

Manch­mal muss man erfin­de­risch sein

Plötz­lich bemer­ke ich noch eine Bewe­gung am Wald­rand, aber lei­der ver­sper­ren mir vie­le Äste den voll­stän­di­gen Blick auf das Stück. Ich schaue durch mein Glas. Da ist er — unser Bock! Ich gebe die­se Infor­ma­ti­on sogleich an mei­nen Co-Jäger wei­ter. Die­ser fragt sofort flüs­ternd: “Kannst du schie­ßen?” Dies muss ich lei­der ver­nei­nen, es sind zu viel Äste und hohes Gras im Weg, die das Anbrin­gen eines sau­be­ren Schus­ses unmög­lich machen. Ich spü­re die Anspan­nung und gleich­zei­ti­ge Ent­täu­schung in mei­nem Nacken. „Wir müs­sen Geduld haben“ sage ich, wäh­rend ich nach einer Lösung suche. Eine Idee! Ich set­ze mich auf den Boden der Kan­zel, somit ist das Pro­blem der Äste gelöst. Jetzt muss der Bock nur noch aus dem hohen Gras wech­seln. Lei­se flüs­te­re ich Max zu: „Wenn ich ent­si­che­re, musst du dir ganz fest die Ohren zu hal­ten.“ Ein lei­ses “Ok” kommt zurück. Mein Puls steigt, ich bin auf­ge­reg­ter als bei mei­nem ers­ten Stück. Kommt der Bock? Kann ich schie­ßen? Müs­sen wir wie­der mit lee­ren Hän­den heim?

Aber bei aller Anspan­nung: das Wich­tigs­te ist und bleibt der siche­re Schuss. Auch damit der Jun­ge kein unnö­ti­ges Leid sieht! Dann tritt der Bock auf ca. 80m her­vor, er steht breit und ich ent­si­che­re mei­nen Stut­zen. Ich bemer­ke eine Bewe­gung hin­ter mir. Max hält sich also die Ohren zu. Der Schuss bricht und die 7x64 ver­lässt den Lauf. Ich schaue durchs Feu­er und der Bock liegt im Knall. Danach geht der ers­te Blick zu mei­nem Sohn, der sich immer noch die Ohren zuhält. “Hast du getrof­fen?” sieht er mich fra­gend an. “Ja” kommt von mir zurück. Und er ist sich sicher “Ich will auch mal Jäger wer­den Papa”.

Der letz­te Biss – leben­di­ge Tra­di­ti­on

Was für ein Moment — ein­fach unbe­schreib­lich. Nach eini­gen Minu­ten der Stil­le bau­men wir ab und gehen lang­sam zum Stück. Auf dem Weg neh­men wir noch die Brü­che mit und ich erklä­re den „letz­ten Bis­sen“. Ich spü­re, wie mein Sohn mei­ne Hand nimmt, “Papa, mein Regen­bo­gen­wunsch hat sich erfüllt”. Da muss ich schlu­cken.

Da hat sich der klei­ne Jun­ge das so sehr gewünscht, dass er sogar sei­nen Regen­bo­gen­wunsch dafür opfert. Max darf dem Bock den letz­ten Bis­sen geben und wir bedan­ken uns bei dem Stück, dass es sein Leben für unser Essen gege­ben hat. Nach kur­zem Inne­hal­ten brin­gen wir dann das Stück zum Auf­bre­chen. Beim Auf­bre­chen will mein Co-Jäger alles wis­sen. Wie was heißt, wo das Geschoss durch­ging, ein­fach alles! Wir neh­men uns sehr viel Zeit für alles und er darf natür­lich auch flei­ßig mit­hel­fen. Als der Bock dann im Kühl­schrank ist, zeigt die Uhr halb zwölf. Ein per­fek­ter Tag, den wir bei­de nie ver­ges­sen wer­den und der mich mega stolz auf mei­nen Sohn gemacht hat.

Mar­tell Gör­bi

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