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Tim, du gut schties­sen, muuuss pro­bie­ren!“ Die­sen Satz habe ich in den letz­ten acht Jah­ren bis­her immer als Ant­wort bekom­men, wenn ich Pawels fra­gen­den Gesichts­aus­druck nach einem kur­zen Blick durchs Fern­glas mit einem ver­nei­nen­den „zu weit“ beant­wor­tet habe. Zuge­ge­ben, ich habe zusam­men mit mei­nem her­zens­gu­ten Jagd­füh­rer wäh­rend der Blatt­zeit in Polen schon so man­chen Kunst­schuss hin­le­gen kön­nen, aber 380 Meter sind dann doch etwas zu viel des Guten. „Spa­zie­ren“? „Ok“, sage ich und fra­ge mich beim ers­ten Schritt Rich­tung Bock wie immer, wo ich mich auf den Stop­peln die­ses rie­si­gen Ackers vor den wachen Augen der Ricke ver­ste­cken soll…

Polen ist nur ein­mal im Jahr

Unse­re all­jähr­li­che Polen­rei­se hat mitt­ler­wei­le Tra­di­ti­on. Wäh­rend sich mei­ne Teil­nah­me erst durch den Kauf mei­ner Rot-Wei­ßen-Set­ter-Hün­din und sich der dar­aus erge­be­nen Freund­schaft zu ihrem Züch­ter erge­ben hat, fährt die­ser, inklu­si­ve sei­ner jagd­ver­rück­ten Fami­lie und sei­ner eige­nen bes­ten Freun­de, bereits gute 20 Jah­re in die klei­ne Stadt Kęp­no in Groß­po­len. Von einem Auf­bruch ins Unbe­kann­te, wie bei so vie­len ande­ren Jagd­rei­sen, kann also längst kei­ne Rede mehr sein: Wir ken­nen das Revier und wel­che jagd­li­chen Her­aus­for­de­run­gen die­ses jedes Mal aufs Neue an uns stellt mitt­ler­wei­le nur all­zu gut. Genau­so gut ken­nen wir auch unse­re Jagd­füh­rer und teil­wei­se auch deren Fami­li­en, die uns jedes Jahr mit einer Herz­lich­keit und Gast­freund­schaft bei sich auf­neh­men die ihres­glei­chen sucht. So kommt es dann schon mal vor, dass beim „Kawa“ nach der mor­gend­li­chen Pirsch plötz­lich der Enkel eines Jagd­füh­rers auf unse­ren müden Bei­nen ein mun­te­res Pro­be­sit­zen ver­an­stal­tet und wir uns spä­ter bei der Ver­kos­tung von Schwie­ger­va­ters Selbst­ge­brann­ten inklu­si­ve Wild­schwein­gril­len in des­sen Gar­ten wie­der­fin­den. Pol­nisch spricht bis auf ein paar Wör­ter kei­ner von uns. Ver­stän­digt wird sich mit gebro­che­nem Deutsch oder eben Pol­nisch, ganz sel­ten ein wenig Eng­lisch und wenn es nötig ist auch mit Hän­den und Füßen. Völ­ker­ver­stän­di­gung kann so ein­fach sein.

Irgend­was ver­gisst man immer

Es ist 13:30 Uhr als wir in Kęp­no ankom­men. Die acht-stün­di­ge Auto­fahrt hat wie immer ihre Spu­ren hin­ter­las­sen, als wir unser Quar­tier bezie­hen, in die­sem Jahr ein neu­es Hotel am Stadt­rand. An Mit­tag­schlaf denkt jedoch kei­ner von uns, die Vor­freu­de auf den ers­ten Pirsch­gang ist viel zu groß. Also set­zen wir uns unter einen der zahl­rei­chen gro­ßen Son­nen­schir­me im Bier­gar­ten des Hotels. In der Mit­tags­son­ne lässt es sich nur schwer aus­hal­ten, das Ther­mo­me­ter zeigt 37 Grad im Schat­ten an. Als unse­re Jagd­füh­rer mit­samt des Prä­si­den­ten des Jagd­clubs gegen 17:00 Uhr ein­tref­fen, beginnt das ganz gro­ße Hal­lo. Mit einem ein­fa­chen Hän­de­schüt­teln kommt hier kei­ner davon. Nach­dem die Begrü­ßungs­or­gie und die For­ma­li­tä­ten been­det sind, kann es end­lich los­ge­hen. „Tiiim, Zeit,“ ruft mir Pawel ent­ge­gen und tippt dabei bestim­mend auf die nicht vor­han­de­ne Arm­band­uhr an sei­nem Hand­ge­lenk. Er hat Recht, umzie­hen müss­te man sich eigent­lich schon längst. Auf dem Zim­mer stel­le ich schnell fest, dass mal wie­der eini­ges zuhau­se lie­gen­ge­blie­ben ist: Mei­ne leich­ten Black Eagle Natu­re Pirsch­stie­fel von Haix sind nir­gends zu fin­den, wohl aber mei­ne neu­en Haix Natu­re One GTX. „Macht nix“, den­ke ich mir. Die extrem robus­ten Stie­fel konn­te ich bereits im hei­mi­schen Revier aus­gie­big tes­ten und war ohne­hin sofort ver­liebt. Wer auf ver­nünf­ti­ges Schuh­werk genau soviel Wert legt wie ich, soll­te unbe­dingt das im Herbst erschei­nen­den Modell antes­ten! Die Lynx-Hose von Swed­team ist zum Glück nicht zuhau­se geblie­ben. Ich hat­te kurz vor der Rei­se noch ver­zwei­felt nach einer leich­ten Pirsch­ho­se gesucht, die genü­gend Bewe­gungs­frei­heit garan­tiert, trotz­dem ver­nünf­tig sitzt und vor allem ein paar Belüf­tungs­ver­schlüs­se hat, damit einem das Was­ser nicht schon nach den ers­ten Schrit­ten bis zum Gür­tel steht. Schnell noch den Capreo­lus Blat­ter von Raub­zeug um den Hals gehan­gen und ich has­te zurück zu Pawel, der bereits unge­dul­dig im Auto auf mich war­tet. Ich wün­sche den ande­ren noch schnell Waid­manns­heil und bin bereits 10 Minu­ten spä­ter mit­ten im Revier.

Gut geschätzt

Wirk­lich viel Anblick haben wir in der ers­ten Stun­de nicht. Wir fah­ren über Sand­we­ge zwi­schen klei­nen Mais­schlä­gen und rie­si­gen Wei­zen­fel­dern, durch die alt­be­kann­ten Ecken des Reviers, die hin und wie­der durch ein­zel­ne, klei­ne Wäld­chen geteilt wer­den. Als wir gera­de aus einem sol­chen her­aus­fah­ren, sehe ich etwas auf dem gegen­über­lie­gen­den Acker. „Stop“, rufe ich Pawel zu und er geht voll in die Eisen. Prompt habe ich Uschi, mei­ne Set­ter Hün­din, halb auf dem Schoß hän­gen, wäh­rend mei­ner Frau von der Rück­bank ein amü­sier­tes „Mei­ne Fres­se…“ über die Lip­pen geht. Wir sor­tie­ren uns kurz und ich bli­cke durch mein Zeiss Vic­to­ry, des­sen Ent­fer­nungs­mes­ser hier unver­zicht­bar ist. Was ich sehe ist etwas röt­li­ches, mehr nicht. Ich tip­pe aber auf einen Bock, genaue­res kann ich auf 460m nicht sagen. Wir müs­sen also näher ran! Glück­li­cher­wei­se haben wir ein wenig Deckung und so lau­fen Pawel und ich gebückt durch hohes Gras los in Rich­tung Bock, bis uns ein Was­ser­gra­ben den Weg abschnei­det. End­sta­ti­on. Ich setz­te mich hin und bli­cke noch­mals durch’s Zeiss: 160m. Tat­säch­lich ein Bock. Doch bevor Pawel sei­ne magi­schen Wor­te spre­chen kann, sage ich nur „zu jung“. Da er sein Glas mal wie­der im Auto hat lie­gen las­sen beant­wor­te ich sei­ne fra­gen­den Bli­cke mit „klei­ne Bock, 2 Jah­re.“ Das The­ma ist durch. Also erhe­ben wir uns und schau­en noch­mal Rich­tung Bock, der uns in die­sem Moment eben­falls eräugt hat und tat­säch­lich die Ruhe besitzt sich erst ein­mal nie­der­zu­tun. „Gut“, den­ke ich, „mit der Alters­schät­zung hast du dich sicher nicht ver­tan, „alt ist der sicher nicht.“ Wir stap­fen zurück Rich­tung Auto und die Fahrt geht wei­ter. Tat­säch­lich sehen wir bis zur Däm­me­rung so gut wie kein Reh­wild mehr. Wir hat­ten bereits über die Hit­ze phi­lo­so­phiert und die bei­den Wör­ter „Bock schla­fen“ fie­len mehr als ein­mal. Am ers­ten Abend kein Waid­manns­heil zu haben ist kein Bein­bruch. So ist Jagd eben. Wenn es immer lau­fen wür­de, wäre es auch lang­wei­lig. Trotz­dem, ein Bock am ers­ten Abend hebt gene­rell die Stim­mung, denn ob die ande­ren Beu­te machen konn­ten, weiß ich bis dahin noch nicht. Als das Büch­sen­licht wei­ter abnimmt, pro­bie­ren wir es an einer letz­ten Ecke. Wir fah­ren einen schma­len Sand­weg ent­lang, links von uns eini­ge klei­ne­re Wie­sen, durch­zo­gen von Hecken, rechts von uns ein schma­ler Strei­fen Mais. Als die­ser plötz­lich zu Ende ist, tut sich auf die­ser Sei­te eine rie­si­ge Wie­se auf. Mit­ten dar­auf ein Schlag Schilf und davor ein Bock. Ein star­ker Bock. Und älter ist er auch, soviel kann ich bereits mit dem blo­ßen Auge erken­nen. Ich tip­pe in der vor­an­schrei­ten­den Däm­me­rung auf etwa 130 Meter Schuss­ent­fer­nung, für län­ge­res Anspre­chen durch das Zeiss ist kei­ne Zeit. Ich öff­ne lei­se die Bei­fah­rer­tür und las­se mich aus dem Sitz her­aus­glei­ten, lau­fe um das Heck des Pajeros und gehe am lin­ken Kot­flü­gel in die Hocke. Die Akti­on treibt mir bereits den Schweiß auf die Stirn. Es ist halb neun und immer noch 29 Grad. Näher ran kom­me ich in kei­nem Fall, Deckung gibt es wie so oft kei­ne. Da ich auch kei­nen Pirsch­stock besit­ze – zwei Mal schlecht geschos­sen und das The­ma war für mich durch – muss ich mal wie­der erfin­de­risch wer­den. Mitt­ler­wei­le habe ich ange­fan­gen von Pawels Schul­tern und Rücken, mei­nen Kni­en, Bäu­men und Sträu­chern so ziem­lich alles als Auf­la­ge miss­braucht, da bin ich recht krea­tiv. Heu­te muss es wohl die Stoß­stan­ge wer­den den­ke ich, will auf­le­gen und stel­le fest: Die Kar­re hat gar kei­ne. „Dann eben eine Eta­ge höher“, den­ke ich und lege auf der Ecke der Motor­hau­be an. Ich schaue durchs Ziel­fern­rohr und sehe: Nichts. Wobei, das ist nicht ganz rich­tig. Ich sehe genau so viel, wie nach einer Fla­sche Wod­ka und ein paar Piwo. Alles ist ver­schwom­men. „Was soll denn der Scheiß?“ Ich fan­ge an die Optik zu bear­bei­ten und dre­he wie wild am Diop­trin­aus­gleich, mit dem Ergeb­nis, dass alles noch viel schlim­mer wird. „Oh“, den­ke ich, „das wären dann zwei Fla­chen Wod­ka… Ob es an der neu­en Bril­le liegt? Egal, dann muss ich halt schät­zen.“ Der Bock ist zumin­dest in sei­nen Umris­sen gut zu erken­nen und steht kom­plett breit. Ich hal­te aufs Blatt und las­se die RWS Speed Tip flie­gen. Der Bock liegt im Knall, das auto­ma­ti­sche Repe­tie­ren war nicht nötig, aber man weiß ja nie. Ich siche­re mei­ne Sau­er 202 Forest und atme erst ein­mal durch, wäh­rend Pawel bereits aus dem Auto springt, und mich mit den magi­schen Wor­ten „Bock kapu­uuut“, lachend in die Arme schließt. Wir war­ten noch 5 Minu­ten und machen uns auf zum Stück. Mitt­ler­wei­le kämpft die Däm­me­rung gegen die tota­le Dun­kel­heit und am Anschuss fin­de ich weder Bock noch Schweiß. Ich weiß, dass das Stück liegt, da bin ich mir sicher. Ich weiß aber auch aus Erfah­rung, dass ich mich bei Däm­me­rung ger­ne mal mit Ent­fer­nun­gen ver­tue. Ziel­lo­ses Her­um­su­chen habe ich mir längst abge­wöhnt. „Schick mal die Uschi,“ rufe ich mei­ner Frau ent­ge­gen, die am Auto geblie­ben ist. Kaum habe ich’s gesagt, fliegt der rote Irr­wisch an mir vor­bei. Das „Such ver­lo­ren“, wel­ches ich ihr noch mit auf den Weg gebe, ist über­flüs­sig. Der Hund weiß genau was zu tun ist. Kei­ne 10 Sekun­den spä­ter und etwa 50 Meter wei­ter als ich den Bock ver­mu­tet habe bleibt der Hund ste­hen, schaut mich an und wedelt so stark mit der Rute, dass man glau­ben könn­te, er wol­le den Bock auf dem Luft­weg ber­gen. Am Bock ange­kom­men neh­me ich zuerst mei­nen Hund in den Arm und lobe sie kräf­tig mit hoher Stim­me, was Uschi mir mit meh­re­ren wil­den und inni­gen Küs­sen im gan­zen Gesicht dankt. Dann lege ich sie ab und betrach­te den Bock. „Mist,“ den­ke ich schmun­zelnd, „der könn­te teu­er wer­den.“ Ich schaue noch schnell in den Äser und spre­che den Recken auf 7 oder 8 Jah­re an. Der Bock bekommt sei­nen letz­ten Bis­sen und ich mei­nen Erle­ger­bruch. Wir bre­chen noch rasch an Ort und Stel­le auf und es geht zurück zum Hotel, wo die ande­ren schon auf uns war­ten. Ich bli­cke in freu­de­strah­len­de Gesich­ter als ich aus dem Wagen stei­ge. Heu­te Abend hat­te jeder Waid­manns­heil. Schö­ner geht es kaum. Am letz­ten Tag bringt der Bock beim offi­zi­el­len Wie­gen der Tro­phä­hen 359 Gramm auf die Waa­ge. Bron­ze­me­dail­le. Spä­ter am Abend wird mir dann auch klar, war­um im Ziel­fern­rohr alles ver­schwom­men war: Die Optik war in Ord­nung. Ledig­lich mei­ne Bril­le war in Fol­ge mei­ner eige­nen Tran­spi­ra­ti­on kom­plett beschla­gen und vol­ler Schweiß­trop­fen.

Ein Bock aus dem Kurio­si­tä­ten­ka­bi­nett

Am nächs­ten Mor­gen klin­gelt der Wecker um 04:30 Uhr. Ich sprin­ge in die Kla­mot­ten vom Vor­tag, erklä­re mei­ner Frau, die sich noch im Halb­schlaf befin­det, sie kön­ne noch locker 20 Minu­ten lie­gen blei­ben und ver­las­se das Zim­mer Rich­tung Auto in dem der Hund über­nach­tet hat. Aus Kom­fort­grün­den sind wir die­ses Jahr mal per VW Mul­tiv­an ange­reist, am meis­ten pro­fi­tiert hat davon augen­schein­lich Uschi, die ich in vol­ler län­ge aus­ge­brei­tet auf ihrer Decke vor­fin­de. Als sie sieht, dass ich schon wie­der in vol­ler Mon­tur vor ihr ste­he, ist alle Müdig­keit ver­ges­sen. Wir sind bereit. Auf dem Weg ins Revier durch­que­ren wir eini­ge klei­ne Dör­fer und genie­ßen die noch eini­ger­ma­ßen küh­le Luft,  die uns durch die geöff­ne­ten Schei­ben von Pawels altem Pajero ent­ge­gen­strömt. Es ist kurz nach 5 Uhr und bereits, oder bes­ser gesagt „immer noch“ 27 Grad. Wir spre­chen nicht viel, son­dern genie­ßen das mor­gend­li­che Pan­ora­ma: Wie­sen soweit das Auge reicht und dar­auf mas­sen­haft Stör­che, auf der Suche nach ihrem Früh­stück. Ein für uns sel­te­ner und dafür umso fas­zi­nie­ren­der Anblick. Irgend­wann bie­gen wir in einen der unzäh­li­gen Sand­we­ge und befin­den uns selbst inmit­ten die­ses Pan­ora­mas. „Ich könn­te ein­fach den gan­zen Tag durch die Gegend fah­ren,“ wird mei­ne Frau am letz­ten Tag unse­rer Polen-Rei­se sagen. Ich weiß genau was sie meint.

Wäh­rend wir vor uns hin­träu­men, sehe ich ganz ent­fernt auf einer der Wie­sen ein paar röt­li­che Fle­cken. Bis ich mich von der Sze­ne­rie um uns her­um lösen und reagie­ren kann, ver­ge­hen eini­ge Augen­bli­cke. „Pawel, stop“, flüs­te­re ich end­lich. War­um ich nicht nor­mal spre­che weiß ich auch nicht so genau, viel­leicht um die Ruhe und Idyl­le um uns her­um nicht zu rui­nie­ren. Ich schaue durchs Zeiss Glas und kann eine Ricke mit zwei Kit­zen und einen Bock auf knapp 380 Meter aus­ma­chen. Um den Bock genau­er anspre­chen zu kön­nen, wechs­le ich aufs Spek­tiv. Ein rei­fer Sech­ser mit mas­si­gen Rosen, der passt, den­ke ich. Aus­nahms­wei­se haben wir auch etwas Deckung: Vor uns, in etwa 120 Meter Ent­fer­nung, lie­gen ein paar alte Stroh­bal­len. Damit wäre die Fra­ge nach der Schieß­auf­la­ge auch direkt geklärt. Also machen Pawel und ich uns erneut in gebück­ter Hal­tung auf den Weg. An den Bal­len ange­kom­men, lege ich kurz mei­ne Waf­fe ab und grei­fe zu mei­nem Glas, um den Bock noch­mals genau­er in Augen­schein zu neh­men. Was dann pas­siert, könn­te kurio­ser nicht sein: Ich erhe­be mich lang­sam aus der Hocke, mein Kopf über­steigt wie in Zeit­lu­pe die Stroh­bal­len. Auf der ande­ren erhebt sich eben­falls ganz lang­sam ein Haupt, nur 10 Meter von mir ent­fernt. Über­rascht schau­en wir uns in die Augen. Danach geht alles ganz schnell: In einem Bruch­teil einer Sekun­de spre­che ich den Bock an, grei­fe nach mei­ner Sau­er, hal­te schräg auf den Stich und las­se flie­gen. Der Bock bricht im Knall zusam­men. Bevor der sich noch immer in der Hocke hin­ter den Stroh­bal­len ver­ste­cken­de Pawel über­haupt weiß, was hier gera­de pas­siert ist, lege ich die Waf­fe auch schon wie­der ab, atme ein­mal tief durch und schaue mei­nen völ­lig ver­wun­dert drein­schau­en­den Jagd­füh­rer lachend an. „Bock kapu­ut“, schmun­zel ich, und haue ihm nach Opas Manier kum­pel­haft mit der fla­chen Hand auf die Schul­ter. Immer noch völ­lig ahnungs­los blickt er der flüch­ten­den Ricke samt Kit­zen und Bock hin­ter­her. Erst als er sich auf­rich­tet, begreift er end­lich. Am ande­ren Ende der Bal­len liegt ein unge­ra­der Sech­ser mit aus­ge­präg­ten Dach­ro­sen. Pawel fasst sich an den Kopf, lässt alles kurz sacken und erwi­dert wort­los mei­nen Schlag auf die Schul­ter. Als wir den Bock genau­er betrach­ten stel­len wir fest, dass die­ser auch noch abnorm ist. Unter­halb der lin­ken Stan­ge zeigt eine Spros­se im 90-Grad-Win­kel nach hin­ten, nur ein oder zwei Zen­ti­me­ter mehr und sie hät­te sich wohl den Trä­ger gebohrt. Ich schaue in den Äser und traue mei­nen Augen nicht: „Ein jun­ger Bock? Unmög­lich! Kann ich mich so getäuscht haben?“ Ich fan­ge an, an mir zu zwei­feln und schaue mir die lin­ke Sei­te des Unter­kie­fers an, die bei­na­he blank ist. So rich­tig ver­ste­hen kann ich es bis dahin nicht, was ich hier sehe, aber eins ist sicher: irgend­was stimmt hier nicht. Nach dem Abko­chen stellt sich her­aus, dass dem Bock im rech­ten Ober­kie­fer der drit­te Prä­mo­lar kom­plett fehlt und auf der lin­ken Sei­te der ers­te Molar kurz davor ist aus­zu­fal­len. Der Bock hat also auf­grund von Zahn­schmer­zen nur auf einer Sei­te gekaut, daher der unre­gel­mä­ßi­ge Abschliff. Wäh­rend Pawel bereits mit Bock auf den Weg Rich­tung Auto ist, dre­he ich mich noch ein­mal um und schüt­te­le unglaub­wür­dig aber mit einem Lächeln auf den Lip­pen den Kopf. „Kuri­os“, den­ke ich.

Wo eine Ricke ist, muss auch ein Bock sein

Sobald der Bock sicher ver­staut ist, geht es direkt wei­ter. Wäh­rend wir wei­ter durchs Revier fah­ren, erzäh­le ich mei­ner Frau, was mir da gera­de pas­siert ist. Reh­wild sehen wir zunächst kei­nes mehr. Es ist mitt­ler­wei­le halb 8 Uhr und es geht stramm auf die 30 Grad zu. Die Mor­gen­son­ne ist bereits etwas unan­ge­nehm und ich den­ke mir, bes­ser kön­ne es nicht wer­den, da kön­nen wir genau­so gut zurück fah­ren, auf die ande­ren war­ten und in Ruhe früh­stü­cken. Wir pas­sie­ren einen frisch gepflüg­ten Acker, auf der Wie­se dahin­ter sehe ich ein Stück Reh­wild. Das heißt, ich sehe Haupt und Trä­ger, der Rest des Kör­pers wird von dem klei­nen Wäld­chen ver­deckt, das Acker und Wie­se trennt. „Mama“ sage ich und gebe Pawel damit zu ver­ste­hen, dass es sich um eine Ricke han­delt. Er will trotz­dem mal nach­schau­en und zeigt auf mei­nen Raub­zeug Blat­ter. „Spa­zie­ren“. Wir stei­gen aus und bewe­gen uns lang­sam auf das klei­ne Wald­stück zu, dass uns vor den wachen Bli­cken der Ricke schützt. Ich glau­be nicht so recht an einen Erfolg, tue Pawel aber den Gefal­len und schi­cke ein paar Fiep­tö­ne durch den Blat­ter. Nichts. Ich dre­he mich um in Rich­tung Auto und will mich bereits auf den Rück­weg machen, da sehe ich eine Hand aus dem Auto win­ken die Rich­tung Wäld­chen zeigt. „Was jetzt?“ den­ke ich mir und pir­sche lang­sam auf die ande­re Sei­te des schma­len Wäld­chens zu und gehe nur Sekun­den spä­ter blitz­ar­tig in die Hocke. Ein Bock kommt an der Wald­kan­te ent­lang lang­sam auf uns zu. Selbst ohne mein Zeiss sehe ich, dass der Bur­sche ver­dammt hoch auf hat und sicher um die 6 Jah­re sein muss. Pawel und ich machen uns hin­ter der ein­zi­gen Deckung die wir haben, ein klei­ner Busch aus Bren­neseln und Brom­bä­ren, immer klei­ner je näher der Bock kommt. Dann ver­harrt er. „Hat er uns viel­leicht mit­ge­kriegt?“ Ich schi­cke noch­mals 2 kur­ze Fiep­tö­ne durch den Blat­ter und der Bock setzt sich erneut in Bewe­gung. Mög­lich­kei­ten zum Schie­ßen sehe ich kei­ne. Auf eine Hara­ki­ri-Akti­on habe ich kei­ne Lust. Wenn’s nicht passt, dann ist es eben so. Pawel deu­tet der­weil immer wie­der auf sei­ne Schul­ter. Aber für einen Schuss müss­ten wir erst ein­mal über unse­re Deckung schau­en kön­nen und dabei wür­de uns der Bock sofort eräu­gen. Zumal kommt er immer noch spitz auf uns zu. Für mich gibt es in die­sem Moment nur eine Mög­lich­keit: Auf­ste­hen und sehen, was pas­siert. Viel­leicht stellt er sich irgend­wie pas­send, oder legt eine kur­ze Flucht hin und hält dann noch­mal inne. Tut er aber nicht. Mein Ober­kör­per ist noch nicht ganz hin­ter der Deckung her­vor­ge­kom­men, da ergreift der Bock auch schon die Flucht, flüch­tet spitz von uns weg und ver­schwin­det links in das schma­le Wäld­chen. Pawel zieht mich sofort instink­tiv zur ande­ren Sei­te und tat­säch­lich, der Bock schießt auf den Acker. Ich lege auf der Schul­ter mei­nes Jagd­füh­rers an und war­te dar­auf, dass der Bock sich noch­mal umschaut. Das tut er dann auch schei­ben­breit auf etwa 80 Meter und ich las­se erneut flie­gen. Der Bock bricht im Knall zusam­men, hebt noch ein­mal das Haupt und ver­en­det am Anschuss. Dabei bin ich fast sicher, nicht 100 pro­zen­tig gut abge­kom­men zu sein. Mei­ne Ver­mu­tung ist rich­tig: Tief­blatt. Das Speed Tip Geschoss konn­te jedoch erneut über­zeu­gen und hat den Bock trotz der Tref­fer­la­ge an den Anschuss gebun­den. Wir ber­gen den unge­ra­den Sech­ser mit den lan­gen Stan­gen und machen uns auf den Weg in Rich­tung Auto. Der Mor­gen ist gelau­fen, bes­ser geht’s nicht. Uschi teilt mei­ne Freu­de und wälzt sich erst ein­mal tief zufrie­den auf der Wie­se hin und her. Wir laden den Bock ein und machen uns auf den Heim­weg. Beim wohl­ver­dien­ten Früh­stück habe ich noch so eini­ges kurio­ses zu erzäh­len.

 

Spa­zie­ren”

Der Abend und der nächs­te Tage ver­lau­fen aus jagd­li­cher Sicht eher unspek­ta­ku­lär: Abends las­sen sich nur weib­li­che Stü­cke mit ihrem Nach­wuchs bli­cken, am Tag dar­auf wird es noch­mals etwas hei­ßer und das Wild ver­zich­tet an die­sem Tag kom­plett auf ein Son­nen­bad. Wir nut­zen den Mit­tag für einen Besuch in Frei­bad und fie­bern dem nächs­ten Tag ent­ge­gen, an dem es end­lich etwas küh­ler wer­den und auch ein paar kur­ze Schau­er geben soll. Genau­so kommt es auch. Am Mor­gen sind wir sogar auf unse­re dün­nen Fleece­pull­over von Nort­hern Hun­ting ange­wie­sen, die per­fekt für die unge­wohn­te mor­gend­lich fri­sche geeig­net sind. Zunächst las­sen sich erneut nur weib­lich Stü­cke bli­cken, bis wir an eine etwa 500 Meter lan­ge Wie­se gelan­gen die links und an der Stirn­sei­te kom­plett von Wald ein­ge­rahmt ist, die rech­te Sei­te grenzt an einem schier end­los­lan­gen Stop­pel­acker, des­sen Ende wohl erst hin­ter einer weit ent­fern­ten Kup­pe liegt. Zwei Stü­cke Reh­wild, ein Bock und eine Ricke, ste­hen genau vor Kopf in etwa 450 Meter Ent­fer­nung und erneut heißt es „spa­zie­ren“. Auf den ers­ten 30 Metern kön­nen wir uns an der Wald­kan­te ent­lang­pir­schen, die uns ein wenig Deckung gibt, doch dann ste­hen wir erneut auf frei­er Flä­che. Wir set­zen uns und ich über­le­ge, wie wir am bes­ten vor­ge­hen. Schie­ßen kommt von hier aus sowie­so nicht in Fra­ge. Rechts vor uns hat die Wie­se noch­mals einen grö­ße­ren Aus­läu­fer. Den Halb­kreis könn­ten wir uns zu nüt­ze machen, aller­dings hie­ße das auf der ers­ten Hälf­te, dass wir kom­plett auf dem Prä­sen­tier­tel­ler her­um­spa­zie­ren müss­ten. Der Gedan­ke ist noch nicht ganz zu Ende gedacht, da stürmt der Bock plötz­lich Rich­tung Stop­pel­acker, von dem sich anschei­nend ein wei­te­rer Bock in Rich­tung Wie­se auf­macht. Wir nut­zen die Situa­ti­on und lau­fen zügig die Wie­se ent­lang bis wir an die Mit­te des Halb­krei­ses gelan­gen und end­lich vol­le Deckung haben. Wir kön­nen noch beob­ach­ten, wie der Bock sei­nen Kon­kur­ren­ten in den Wald treibt und abschlägt, danach stellt er sich erneut zur Ricke. Nach ein paar wei­te­ren Schrit­ten ver­lie­ren wir ihn durch den Wald aus den Augen. Lei­se lau­fen Pawel und ich auf das Ende des Halb­krei­ses zu. Wir müs­sen vor­sich­tig sein, nicht plötz­lich näher am Bock zu ste­hen als es uns lieb ist. Soll­te er sich in Bewe­gung gesetzt haben, wäh­rend wir uns qua­si blind anpir­schen, könn­te die gan­ze Mühe umsonst gewe­sen sein. Mit ein­fa­cher Zei­chen­spra­che ver­su­che ich Pawel deut­lich zu machen, dass wir uns von jetzt an lang­sam und beson­ders lei­se bewe­gen müs­sen. Wir errei­chen das Ende der Wald­kan­te und wie ich befürch­tet hat­te, ste­hen Bock und Ricke plötz­lich knapp 100 Meter vor uns. Mit­be­kom­men haben sie uns noch nicht. Im Gegen­teil, die bei­den lau­fen in See­len­ru­he auf das ande­re Ende der Wie­se zu und ver­hof­fen plötz­lich schei­ben­breit. Wie­der muss Pawels Schul­ter her­hal­ten und wie­der liegt der Bock trotz Tief­blatt­schuss im Knall. Ein bra­ver Sech­ser, den ich, ohne in den Äser zu schau­en, auf fünf Jah­re anspre­che. Die Son­ne steigt lang­sam über die Kup­pe des Stop­pel­ackers und taucht uns alle in gol­de­nes Licht. Wir las­sen uns Zeit und genie­ßen den Augen­blick. „Schö­ner wird es nicht mehr“ den­ke ich mir und beschlie­ße in die­sem Augen­blick, dass die Jagd für mich vor­bei ist. Pawel hält den Moment für die mög­li­che fol­gen­de Gene­ra­ti­on an Jägern für mei­ne Frau und mich fest. Die­se Erleb­nis­se mit sei­nen Liebs­ten tei­len zu dür­fen, ist sicher für alle Jäge­rin­nen und Jäger das größ­te Glück.

Den letz­ten Tag las­sen wir in Ruhe aus­klin­gen. Auf­re­gend wird es nur noch als die Kom­mis­si­on zum Wie­gen der Tro­phä­en und dem anschlie­ßen­den Abrech­nen erscheint. Zum Glück ist für das nächs­te Jahr noch was übrig geblie­ben.

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Es gibt die­se beson­de­ren Näch­te als Jäger, die einem ein Leben lang in Erin­ne­rung blei­ben. Eine die­ser Näch­te war die Nacht auf den 22. Febru­ar 2018. Ein trau­ri­ges Ereig­nis über­schat­te­te die letz­ten Tage und Wochen, mei­ne Groß­mut­ter ver­starb völ­lig uner­war­tet nach kur­zer Krank­heit. Seit nun schon 10 Jah­ren leb­ten wir zusam­men unter einem Dach, die Bei­set­zung soll­te an besag­tem 22. Febru­ar im Krei­se der Fami­lie und engs­ten Freun­de sein.

Am Abend vor­her ent­schie­den mein Cou­sin und ich, noch nach den Wild­schwei­nen zu sehen. Es lag Schnee, wir hat­ten Urlaub und woll­ten den Kopf frei bekom­men. Gegen 22.00 Uhr fuhr ich mit mei­nem Cou­sin und Jagd­freund los. Im ers­ten Revier beka­men wir nur Reh­wild in Anblick und einen Fuchs, der sei­ne Fähr­te durch den Schnee zog.

Wir fuh­ren alle bekann­ten Hot­spots an, hat­ten aber lei­der kei­nen Anblick. Kein Schwarz­kit­tel war zu sehen. Da mein Cou­sin am nächs­ten Mor­gen noch ein paar Stun­den im Büro sein muss­te, bra­chen wir gegen 00:30 Uhr ab und fuh­ren Rich­tung Hei­mat. Plötz­lich, an der letz­ten gro­ßen Wie­se im Revier, sahen wir aus dem Nichts einen dicken, pech­schwar­zen Umriss. Er warf auf und zog in den Schwarz­dorn.

Mist!“ dach­te ich. Es krib­bel­te bei uns bei­den, aber nach kur­zer Bedenk­zeit brach­te ich mei­nen Cou­sin nach Hau­se. Ich aber hat­te nur noch den gro­ßen, ein­zel­nen, dicken Klum­pen von Sau im Kopf. Ich mal­te mir tau­send Stra­te­gi­en aus, wie es wohl klap­pen könn­te… Ich schmun­zel­te: „Den­ke wie ein Kei­ler, Mar­kus. Den­ke wie ein Kei­ler…“.

Ich war­te­te gut eine Stun­de, bevor ich mich aus einer kom­plett ande­ren Rich­tung wie­der in das Revier auf­mach­te. Mein Auto stel­le ich weit von der Stel­le, an der ich den Kei­ler ver­mu­te­te, ab. Ganz lei­se lud ich mei­ne bewähr­te Sau­er 202 durch. In Zeit­lu­pe glitt der Kam­mers­ten­gel nach vorn, nahm eine 7x64 Geco Zero mit ins Patro­nen­la­ger, in einem Fluss sicher­te ich die Waf­fe laut­los. Den Pirsch­stock in mei­ner Rech­ten, dach­te ich „Es kann los­ge­hen.“.

Die Wie­se ist ca. 10 ha groß und steigt hüge­lig an, drei Sei­ten sind mit Wald umge­ben. Man stel­le sich eine gro­ße Wel­le vor, von der ich von der einen Tal­soh­le auf die ande­re pir­schen woll­te. Schritt für Schritt. Lei­se atmen, nur kein Geräusch machen. Mucks­mäus­chen­still pir­sche ich Meter für Meter durch die Nacht. Alle paar Meter blei­be ich ste­hen, neh­me das Zeiss 8x56 hoch und gla­se die Umge­bung ab. Ich hat­te gehofft es sei hel­ler, aber es war um Neu­mond und selbst mit Schnee war es nicht so hell wie über die Mond­pha­se Ende Janu­ar.

Da! Auf ein­mal erken­ne ich eine schwar­ze Rücken­li­nie!

Inner­halb einer Sekun­de rast mein Puls, die Atmung wird schnel­ler, der Wind passt per­fekt. Er kommt genau von der Sau zu mir. „Mar­kus, du hast alle Zeit der Welt.“ sage ich mir. „Der Kei­ler zieht auf dich zu.“ Denn als sol­chen habe ich ihn nun end­gül­tig ange­spro­chen. „Und was für einer!“ den­ke ich. „Groß­rah­mig, gut an die zwei Zent­ner vom Volu­men her.“

Auf etwa 200 Metern sehe ich ihn dann in vol­ler Grö­ße und bin fas­zi­niert. Es krib­belt mir bis in den klei­nen Zeh. Die Käl­te spü­re ich schon lan­ge nicht mehr. Statt­des­sen rich­te ich lang­sam das Drei­bein ein und posi­tio­nie­re mei­ne Sau­er dar­auf – Rou­ti­ne. Ich war­te bis er voll­ends über die Kup­pe zieht. Mir geht nur durch den Kopf: „Kugel­fang!“

Nach wei­te­ren für mich unend­li­chen 10 Minu­ten steht er in vol­ler Brei­te da. Es sind nicht ganz 100 Meter, der Kei­ler bricht see­len­ru­hig im Schnee. Mei­ne 202 liegt ruhig auf dem Drei­bein. Das Lei­ca Magnus steht auf zwölf­fa­cher Ver­grö­ße­rung und der Leucht­punkt steht ruhig auf dem Blatt. Lang­sam, ohne den Hauch eines Geräu­sches zu ver­ur­sa­chen, ent­si­che­re ich und mein Zei­ge­fin­ger geht Rich­tung Abzug. Ein­at­men, Aus­at­men, der Schuss bricht. Stil­le!

Sofort repe­tie­re ich und das Abse­hen steht erneut auf dem Klum­pen, der bereits vor mir im Schnee liegt. Nach einer Wei­le siche­re ich, neh­me die Waf­fe auf die Schul­ter und stap­fe los. Etwa 30 Meter vor der Sau neh­me ich die Waf­fe noch­mal von der Schul­ter und gehe auf das Stück zu.

Am Kei­ler ange­kom­men schallt ein glück­li­cher „Juchet­zer“ durch die stil­le Nacht. Vor mir liegt einer der bes­ten Kei­ler, den ich je erlegt habe. „In Memo­ri­am Oma Eri­ka!“ den­ke ich sofort.

Vol­ler Freu­de und Ehr­furcht knie ich vor dem Stück, öff­ne den Kie­fer und sehe was er für star­ke Waf­fen hat. So ver­blei­be ich etwa 10 Minu­ten beim Kei­ler, las­se mir noch­mal die gan­ze Pirsch durch den Kopf gehen und bin ein­fach nur glück­lich und eins mit mir und der Win­ter­nacht.

Doch dann drängt sich mir die Fra­ge auf „Hm, wie brin­ge ich dich jetzt nach Hau­se?“. Mein Vater, mei­ne Schwes­ter und mei­ne Freun­din lie­gen alle­samt mit Grip­pe im Bett. Mitt­ler­wei­le ist es 02:00 Uhr nachts. Also beschlie­ße ich, unse­ren Pola­ris Ran­ger zu holen, bei dem der Korb hin­ten recht tief hängt. „So müss­te es gehen“, hof­fe ich.

Ich stop­pe natür­lich auf der Heim­fahrt am Eltern­haus und las­se den grip­pe­ge­plag­ten Seni­or und mei­ne Schwes­ter antre­ten. Von bei­den kommt ein herz­li­ches Waid­manns­heil. Zuletzt wird noch Freun­din Kat­rin aus dem Bett geschmis­sen. Schlaf­trun­ken steht sie neben dem Pola­ris zur Begut­ach­tung des Kei­lers und ist per­plex. Auch hier bekom­me ich ein herz­li­ches Waid­manns­heil und einen dicken Kuss. Herz, was willst du mehr.

Nach­dem die Sau auf­ge­bro­chen und ver­sorgt ist, rede ich noch bestimmt eine Stun­de lang auf mei­ne arme Kat­rin ein, die eigent­lich nur schla­fen will. Wie­der und wie­der geht mir die­se Pirsch durch den Kopf. Ja, und bei der Bei­set­zung am Grab von Oma Eri­ka kann ich mir ein klei­nes Grin­sen kaum ver­knei­fen, denn ich weiß, mei­ne Oma war immer stolz auf ihren Jäger.

 

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Die Blat­ter – Erb­stü­cke vom Groß­va­ter.

Der Mann am Blat­ter – ein Jäger durch und durch, Reh­wild- und Blatt­jagd-Exper­te.

Das Publi­kum — Waid­män­ner und Waid­frau­en aus ganz Baden Würt­tem­berg.

Die Blatt­jagd­sai­son geht erst los, da kommt das Semi­nar in Hechin­gen gera­de recht. Hier konn­ten die Grund­kennt­nis­se ver­tieft, neue Metho­den erlernt und natür­lich nach Her­zens­lust gefach­sim­pelt wer­den. Als Gesprächs­part­ner stan­den Reh­wild- und Blatt­jag­d­ex­per­te Bertram Graf Quadt und Ver­an­stal­ter Mar­kus Schuler, selbst erfah­re­ner Jäger und Blatt­jagd­ver­rück­ter, Rede und Ant­wort. Gera­de weil beim Jagen die Theo­rie immer schön klingt, es in jedem Revier aber eine Her­aus­for­de­rung ist die­se anzu­wen­den, ging es für die Teil­neh­mer im ers­ten Semi­nar­teil raus in den Wald.

Dort fuhr Mar­kus Schuler in Hechin­gen-Schlatt ver­schie­de­ne Plät­ze an und nahm sie genau unter die Lupe. Quadt erklärt den Teil­neh­mern die 3 Säu­len des Blat­tens: rich­ti­ger Ort, rich­ti­ge Zeit, rich­ti­ge Art. Gleich beim ers­ten Stand die Fra­ge in die Run­de „Wür­den Sie hier blat­ten? Und wenn ja, war­um?“ Die Teil­neh­mer sehen sich um, neh­men den Bestand in Augen­schein, sehen den Drück­jagd­bock, der an einer Kan­te im Gelän­de steht. Hin­ter ihm geht es steil nach unten. Quadt blickt in fra­gen­de Gesich­ter. „Ich fin­de, das ist ein guter Platz. Reh­bö­cke — spe­zi­ell älte­re — kom­men sel­ten stei­le Hän­ge her­auf. Das ist eigent­lich auch logisch, denn der Bock ver­mu­tet hier durch unser Fie­pen ja einen Riva­len, mit dem es viel­leicht gleich Ärger geben wird.“ Quadt schaut einen Teil­neh­mer an „Klar, oder? Wenn „Mann“ gleich um sei­ne Frau kämp­fen muss, will man doch nicht völ­lig außer Atem oben ankom­men. Er wird wohl die Ser­pen­ti­nen wäh­len …“ Die Bli­cke der Teil­neh­mer ver­fol­gen schmun­zelnd den Weg den Quadt mit sei­nem Stock auf­zeigt. „Und wir haben hier, wo wir ste­hen, einen her­vor­ra­gen­den Platz. Wir haben den Über­blick, müs­sen kaum Angst haben, dass der Bock von hin­ten anwech­selt und haben rund­her­um Kugel­fang. Bes­ser geht’s ja fast nicht.“ Zustim­men­des Nicken.

 Des­halb — Raus ins Revier und erst­mal zuhö­ren!

Die knapp 40 Teil­neh­mer des Semi­nars sind bis auf weni­ge alle kei­ne Neu­lin­ge auf dem Gebiet der Blatt­jagd. Gemein­sam wird dis­ku­tiert, wie wich­tig hier an die­sem Platz Tarn­klei­dung ist und ob man hier bes­ser allei­ne oder zu weit blat­tet. Mar­kus Schuler, zu des­sen Revier die­ser Drück­jagd­bock gehört, erzählt aus der Pra­xis. Er hat hier in den letz­ten Jah­ren immer wie­der star­ke Böcke her­an­blat­ten und auch erle­gen kön­nen.

Es ist Mit­tags­zeit im Revier, es reg­net, ein Reh schreckt – oh halt, es ist der Refe­rent. Graf Quadt mimt den Bock und unter­hält damit nicht nur bril­lant, er ver­leiht sei­nen Wor­ten Nach­druckt und sorgt dafür, dass sie den Teil­neh­mern im Gedächt­nis blei­ben. „Um die „rich­ti­ge Zeit“ im Revier zu sein, das kann man nicht aus einem Buch ler­nen.“ mahnt der Exper­te, „Des­halb mein Rat: Geht raus! Jeder der ein Revier hat, geht so viel es geht raus. Passt euch dem an, was in eurem Revier los ist.“ Blatt­jagd ist Ganz­ta­ges­jagd. Wann der güns­tigs­te Zeit­punkt ist, erfährt der Jäger im Revier selbst, wenn er mit offe­nen Ohren im Revier ist.

Der bes­te Lehr­meis­ter ist sowie­so die Natur.“ ergänzt Mar­kus Schuler. „Natür­lich könnt und sollt ihr zuhau­se den Umgang mit dem Blat­ter üben, aber um es so echt wie mög­lich klin­gen zu las­sen, müsst ihr es mal gehört haben.“ Wel­che Mar­ke der Blat­ter an sich hat, spielt für die bei­den Refe­ren­ten kei­ne Rol­le. Es ist kei­ne Wer­be­ver­an­stal­tung. Jeder habe einen Blat­ter, der ihm beson­ders gut liegt. Säu­le drei der Bock­jagd-Theo­rie ist hier ent­schei­den­der als das ent­spre­chen­de Werk­zeug. Die gol­de­ne Regel lau­tet: In alle Rich­tun­gen blat­ten, denn egal ob Fie­pen einer Gaiss oder eines Schmal­rehs oder klas­si­scher Kitz­ruf – das Stück Reh­wild wird sich auch immer bewe­gen und nie still ste­hen. Graf Quadt ermu­tigt die Jäger außer­dem auch wei­te­re Lau­te, die im Brunft­ge­sche­hen vor­kom­men, zu imi­tie­ren, zum Bei­spiel Plät­zen, Fegen oder Keu­chen.

Es geht zurück in den Semi­nar­raum, wo die Teil­neh­mer bei lecke­rer Ver­pfle­gung, Brat­wurst und Ham­bur­gern natür­lich aus Wild, die Mög­lich­keit haben sich auch unter­ein­an­der aus­zu­tau­schen. Gemein­sam wird man­che Situa­ti­on des Revier­gangs noch­mal bespro­chen und kri­tisch hin­ter­fragt, bevor es dann in den Theo­rie­teil des Blatt­jagd­se­mi­nars geht. Nun kom­men zu den bereits erwähn­ten Grund­kennt­nis­sen auch spe­zi­el­le Tech­ni­ken für Fort­ge­schrit­te­ne, wie die „wan­deln­de Gaiss“, der „Rück­ruf“ oder auch das „geziel­te Ver­blat­ten“.

Lie­ber Schwit­zen statt Blit­zen

 Ein Pirsch­stock gehört für die Exper­ten neben dem Blat­ter zur Grund­aus­rüs­tung bei der Blatt­jagd. Schuler stellt wei­te­re Hilfs­mit­tel wie den mobi­len Tarn­stand vor, den er zusam­men mit sei­nem Vater jedes Jahr erfolg­reich zur Blatt­jagd nutzt. Und Graf Quadt schlüpft kur­zer­hand ins sei­ne 3D Tarn­ja­cke „Ich weiß, ich seh‘ aus wie ein Voll­idi­ot, aber der Zweck hei­ligt die Mit­tel.“ Er scherzt: „Lie­ber Schwit­zen als Blit­zen“ und ver­weist auf Hand­schu­he und lan­ge Hosen um so wenig hel­le Kör­per­stel­len zu zei­gen wie mög­lich.

Die Theo­rie sitzt nun nach die­sem sehr inten­si­ven Tag. Ob die Teil­neh­mer es in der Pra­xis umset­zen kön­nen, wird sich in den kom­men­den Wochen zei­gen. Denn die Blatt­jagd­sai­son hat gera­de erst ange­fan­gen. Es bleibt also noch genug Zeit um zu zuhö­ren oder zu üben. Waid­manns­heil!

 

Bertram Graf Quadt wur­de die Jagd­lei­den­schaft bereits in die Wie­ge gelegt. Die jagd­li­chen Wur­zeln sei­ner Fami­lie rei­chen bis ins Mit­tel­al­ter zurück. Sein Groß­va­ter, Her­zog Albrecht von Bay­ern, gilt als einer der bes­ten Reh­wild­ken­ner. Graf Quadt selbst war bereits mit 5 Jah­ren schon regel­mä­ßig auf der Jagd, bewaff­net mit dem Skiz­zen­block. Er ist nun nicht nur erfolg­rei­cher und bekann­ter Jagd­buch-Autor (u.a. „Blatt­jagd — Hand­buch für Prak­ti­ker“), son­dern auch ein ver­sier­ter Exper­te wenn’s ums Reh­wild geht.

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Ges­tern war es mal wie­der soweit: Mein Sohn und ich woll­ten end­lich mal unse­re ers­te gemein­sa­me Sau erle­gen. Nach einem tol­len Tag im Schwimm­bad und einem lecke­ren Abend­essen ging es so gegen 22.30 Uhr ins Revier. Dort ange­kom­men mach­ten wir erst­mal ein Check –

Max zählt auf: „Decken?“ Ich: „Check.“ Wie­der Max: „Hüte?“ – „Check.“ „Wär­me­bild­ge­rä­te — für mich auch eins“, sagt er. Ich: „Check.“ „Bro­te?“ Ich: „Check. Mit Wild­s­ausa­la­mi und Wild­sau Leber­wurst“ Ich bekom­me zur Ant­wort „lecker!!! Was­ser?“ „Check“ Er fährt mit sei­ner Lis­te fort: „Gum­mi­bär­chen?“ Auch an die habe ich gedacht: „Check.“ Max strahlt mich an „Papa dein Gewehr?“ und ich dar­auf läs­sig „Check.“. Alles da, was wir bei­de so für eine Nacht in der Schlaf­kan­zel brau­chen.

Grun­zen und schmat­zen direkt an der Kan­zel

Wir also los­ge­pirscht in die Kan­zel. Dort ange­kom­men rich­ten wir uns erst­mal mit allem ein. Jeder macht sei­ne Wär­me­bild­ka­me­ra an und glast erst­mal alles ab und .…. „nix da“ wur­de mir mit­ge­teilt. Ok, ich gla­se noch­mal alles gründ­lich ab und da, ein Grun­zen und Schmat­zen, aber die­se Geräu­sche kamen aus der Kan­zel. Da hat der Schlumpf sich ein­fach nach fünf Minu­ten hin­ge­legt und pennt. Ich den­ke mir schmun­zelnd „Da rede­te er seit Tagen von nix ande­rem und dann ratzt er!“

Ich beob­ach­te noch ein wenig, den­ke mir dann aber „Es kommt sowie­so nix, also hau ich mich auch hin.“ Ich las­se mei­ne Gedan­ken schwei­fen. Es ist schon der Wahn­sinn, die fri­sche Luft, die Geräusch­ku­lis­se, ein­fach herr­lich, was wir erle­ben dür­fen. Ich döse ein …

Der Schlaf der Gerech­ten

… und plötz­lich ein lau­tes Quie­ken, ich spit­ze die Ohren, lau­tes Gera­schel und Grun­zen. Sie sind da! Ich bin sofort hell wach und unter Anspan­nung. Mit dem WBG nach­ge­schaut und sie­he da, eine Rot­te mit ca. 20 Sau­en, von Frisch­lin­gen bis zur Leit­ba­che alles dabei. Ein präch­ti­ges Schau­spiel! Ich grei­fe rüber um mei­nen tap­fe­ren Mit­jä­ger wach zu bekom­men, ich rüt­te­le und schüt­te­le ihn, doch es tut sich nix. Ich beu­ge mich run­ter und flüs­te­re: „Max die Sau­en sind da“ .…. nix. Ich schüt­te­le ihn kräf­ti­ger, außer einem Stöh­nen und Schmat­zen kommt sonst nix. Ich wie­der hoch und sehe, wie die Sau­en lang­sam wei­ter zogen. Ich schaue ihnen hin­ter her und beob­ach­te sie noch ein wenig und den­ke mir, ok so ist es dann halt, dann gehen wir eben mor­gen früh auf die Pirsch und schau­en mal ob ein Bock güns­tig steht. Als ich mir so die Pirsch aus­ma­le, hör ich ein Bla­sen von der Leit­ba­che und die gan­ze Mann­schaft kommt wie­der zurück, ich also wie­der run­ter: „Max, Max die Sau­en kom­men!“ Kei­ne Reak­ti­on. Ich wie­der am Rüt­teln, jetzt wird er lang­sam sau­er und lau­ter mit sei­nem Quen­geln, also las­se ich ihn in Ruhe schla­fen. Wenn der Schuss fällt, wird er schon wach wer­den, so mei­ne Annah­me.

Ich spre­che an und kann einen Über­läu­fer­kei­ler aus­ma­chen. Doch muss ich auf­pas­sen, da sehr vie­le Fri­sche mit rum­sprin­gen. Also gehe ich in Anschlag und span­ne die Waf­fe, als der Bur­sche breit steht, kann ich ihm das RWS HIT aus der Sauer404XT in .308 auf ca 40m antra­gen. Ich schaue durchs Feu­er und sehe nix, ich wech­se­le auf das WBG und sehe, dass die Sau im Knall liegt. Alle Ande­ren sprin­gen hoch­flüch­tig ab und ver­schwin­den tosend im Wald. Dann schaue ich nach rechts und kann es nicht fas­sen, der Kur­ze ratzt immer noch. Ich las­se ihn auch, denn ich glau­be das Schwimm­bad hat ihn sehr geschlaucht.

Waid­manns­heil an den Papa

Danach bau­me ich ab und gehe zum erleg­ten Stück um ihm mei­nen Respekt zu zol­len und mich zu bedan­ken. Anschlie­ßend ber­ge ich das Stück und ver­sor­ge es. Ein Jagd­kol­le­ge, der auch im Revier war, hilft mir dabei. Nach­dem alles getan war, muss ich ja noch irgend­wie den Kur­zen aus der Kan­zel bekom­men. Das geht dann leich­ter als gedacht, mit Taschen­lam­pe ins Gesicht und nor­ma­ler Stim­me ist er rela­tiv schnell fit. Ich sage ihm, dass wir eine Sau geschos­sen haben. Er ist völ­lig über­rascht und fragt „Wann?“ Mit Trä­nen in den Augen vor Lachen erzäh­le ich ihm alles. Und er will nur wis­sen „War­um hast du mich denn nicht geweckt?!“ Was soll man dazu noch sagen?!

Wir brin­gen dann den Über­läu­fer­kei­ler in die Küh­lung und um 4 Uhr geht es dann end­lich Schla­fen.

Mar­tell Gör­bi

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Die Hima­la­ya Regi­on gehört zu den extrems­ten Jagd­rei­se­zie­len der Erde. Um ein Blauschaf auf­zu­spü­ren, eine scheue, selt­sam aus­se­hen­de Krea­tur, muss man höher ins Gebir­ge als bei der Jagd auf irgend­ei­ne ande­re Wild­art auf der Welt. Einen leich­ten Weg gibt es nicht.  Nach­dem wir vier müh­se­li­ge Tage über nack­te Fel­sen und Eis geklet­tert waren, erreich­ten wir auf 4.000 m Höhe das Lager III. Wäh­rend unse­res Auf­stiegs hat­ten wir meist mit stei­len Abhän­gen zu kämp­fen, und ein Absturz hät­te den siche­ren Tod bedeu­tet. Allein mit die­sem Risi­ko fer­tig zu wer­den, war schon anstren­gend genug. Außer­dem plag­ten mich Übel­keit, Kopf­schmer­zen und Schwin­del, alles siche­re Anzei­chen von Höhen­krank­heit.

Vor Son­nen­auf­gang hol­te ich mein Lei­ca Geo­vid HD-B 3000 und mei­ne Büch­se aus dem Zelt und folg­te einem der Jagd­füh­rer im schwa­chen Licht eines Schein­wer­fers. In Anbe­tracht der Extrem­si­tua­ti­on in Bezug auf Höhe, Tem­pe­ra­tur und höchst wahr­schein­lich auch Win­kel und Ent­fer­nung, war in jedem Fall aller­höchs­te Schus­sprä­zi­si­on erfor­der­lich. Ein unge­fäh­rer Schätz­wert wür­de hier nicht genü­gen. Um mei­ne Chan­cen auf einen siche­ren Schuss zu erhö­hen, hat­te ich mein Geo­vid mit mei­nen bal­lis­ti­schen Daten vor­pro­gram­miert.

Als die Son­ne auf­ging, mach­ten wir eine klei­ne Her­de Blauschaf­wid­der aus. Dar­un­ter befand sich ein für den Abschuss geeig­ne­tes, rei­fes Stück, das in den ers­ten Son­nen­strah­len äste. Wir klet­ter­ten auf eine Höhe von 5.000 m. Zwar hat­ten wir den Wind im Rücken, aber vie­le Mög­lich­kei­ten erga­ben sich in die­sem Gelän­de nicht. Wir beweg­ten uns so schnell wie es bei dem Man­gel an Sauer­stoff eben ging, um eine geeig­ne­te Schuss­po­si­ti­on zu errei­chen.

Als sich der Wid­der beweg­te, wur­de es Zeit für den Schuss, bevor er end­gül­tig Wind von uns bekom­men und absprin­gen wür­de. Im Bruch­teil einer Sekun­de hat­te mein Geo­vid Win­kel, Tem­pe­ra­tur, Luft­druck und Ent­fer­nung auf mei­ne indi­vi­du­el­len Bal­lis­tik­da­ten abge­stimmt. Ich kon­zen­trier­te mich voll auf den Moment. Atme­te tief durch… und trotz der schwie­ri­gen äuße­ren Umstän­de war mir ein per­fek­ter Schuss gelun­gen! Die­ses Stück Wild hat­te ich mir hart erar­bei­tet, und auf die­se har­te Arbeit war ich stolz. Ich ver­harr­te für eini­ge Minu­ten gedan­ken­ver­sun­ken bei mei­nem Wid­der. Still dasit­zend wur­de der Moment zu einer Erin­ne­rung, die ich habe und hal­ten wer­de. Es war ein beson­de­rer Augen­blick.

Lest kom­plet­ten Bericht in der aktu­el­len Hala­li. Wei­te­re span­nen­de Jagd­er­leb­nis­se fin­det Ihr außer­dem unter #mygeo­vid­mo­ment und bei Lei­ca

Text: Simon K. Barr

 

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Ges­tern war ich zum 12. Mal mit mei­nem Sohn auf dem Ansitz, seit über einem Jahr ver­su­chen wir zusam­men einen Bock zu erle­gen.

Wir hat­ten auch schon das ein oder ande­re Mal Anblick, aber dann saß der Gehör­schutz noch nicht rich­tig oder das Stück stand nicht so, dass man einen siche­ren Schuss antra­gen konn­te. Ich erklär­te ihm, wel­che Stü­cke wir wann schie­ßen dür­fen, wel­ches Wild wir in unse­rem Revier haben, was Hege bedeu­tet, wie man das erleg­te Stück behan­delt und wie man es ehrt. Auch Geschich­ten aus mei­ner Jugend muss­ten her­hal­ten um die lan­ge Zeit für einen Sie­ben­jäh­ri­gen etwas zu ver­kür­zen. Er war schon ziem­lich gefrus­tet, da es nie klapp­te. Doch ges­tern konn­te ich ihn noch­mal dazu bewe­gen, mit mir mit­zu­kom­men.

Waid­manns­heil für den nächs­ten Ansitz

Also, wir alles fer­tig gemacht, das Auto bela­den und raus ins Revier. Da gera­de Feri­en sind, darf es heu­te spä­ter wer­den. Um 18 Uhr sit­zen wir auf unse­rem Hoch­sitz bei schöns­tem Son­nen­schein. Doch bald dar­auf fängt es an zu stür­men, danach ein ordent­li­cher Regen­guss und Max fragt, ob wir nicht lie­ber gehen sol­len. Ich aber ent­schei­de „Wir blei­ben noch ein biss­chen“. Nach dem Schau­er kommt die Son­ne wie­der her­vor und wir stau­nen nicht schlecht über den schö­nen Regen­bo­gen. Mein Sohn schaut mich an und sagt freu­de­strah­lend „Da darf man sich was wün­schen!“.

Was für ein tol­les Gefühl mit mei­nem Sohn ein Teil der Natur zu sein und ihre gan­ze Schön­heit zu genie­ßen! Dann kehrt inner­li­che Ruhe ein, es kommt die Zeit, in der das Wild lang­sam aktiv wird und bei uns die Span­nung steigt. Ein Fuchs macht den Anfang. Der Rei­ne­ke schnürt am Wald­rand ent­lang und dann direkt auf uns zu. Ein herr­li­cher Anblick, den ich ger­ne mit mei­nem klei­nen Beglei­ter tei­le. Die nächs­ten 30 Minu­ten pas­siert nichts, bis wir dann am Wald­rand eine Bewe­gung wahr­neh­men. Beim Blick durch mei­ne Optik mel­de ich Max „Reh­wild“. Sei­ne Auf­re­gung muss ich lei­der ent­täu­schen, es ist eine Geiß. Doch schon der Anblick ist schön und so schau­en wir der Geiß bis kurz nach neun Uhr zu.

Manch­mal muss man erfin­de­risch sein

Plötz­lich bemer­ke ich noch eine Bewe­gung am Wald­rand, aber lei­der ver­sper­ren mir vie­le Äste den voll­stän­di­gen Blick auf das Stück. Ich schaue durch mein Glas. Da ist er — unser Bock! Ich gebe die­se Infor­ma­ti­on sogleich an mei­nen Co-Jäger wei­ter. Die­ser fragt sofort flüs­ternd: “Kannst du schie­ßen?” Dies muss ich lei­der ver­nei­nen, es sind zu viel Äste und hohes Gras im Weg, die das Anbrin­gen eines sau­be­ren Schus­ses unmög­lich machen. Ich spü­re die Anspan­nung und gleich­zei­ti­ge Ent­täu­schung in mei­nem Nacken. „Wir müs­sen Geduld haben“ sage ich, wäh­rend ich nach einer Lösung suche. Eine Idee! Ich set­ze mich auf den Boden der Kan­zel, somit ist das Pro­blem der Äste gelöst. Jetzt muss der Bock nur noch aus dem hohen Gras wech­seln. Lei­se flüs­te­re ich Max zu: „Wenn ich ent­si­che­re, musst du dir ganz fest die Ohren zu hal­ten.“ Ein lei­ses “Ok” kommt zurück. Mein Puls steigt, ich bin auf­ge­reg­ter als bei mei­nem ers­ten Stück. Kommt der Bock? Kann ich schie­ßen? Müs­sen wir wie­der mit lee­ren Hän­den heim?

Aber bei aller Anspan­nung: das Wich­tigs­te ist und bleibt der siche­re Schuss. Auch damit der Jun­ge kein unnö­ti­ges Leid sieht! Dann tritt der Bock auf ca. 80m her­vor, er steht breit und ich ent­si­che­re mei­nen Stut­zen. Ich bemer­ke eine Bewe­gung hin­ter mir. Max hält sich also die Ohren zu. Der Schuss bricht und die 7x64 ver­lässt den Lauf. Ich schaue durchs Feu­er und der Bock liegt im Knall. Danach geht der ers­te Blick zu mei­nem Sohn, der sich immer noch die Ohren zuhält. “Hast du getrof­fen?” sieht er mich fra­gend an. “Ja” kommt von mir zurück. Und er ist sich sicher “Ich will auch mal Jäger wer­den Papa”.

Der letz­te Biss – leben­di­ge Tra­di­ti­on

Was für ein Moment — ein­fach unbe­schreib­lich. Nach eini­gen Minu­ten der Stil­le bau­men wir ab und gehen lang­sam zum Stück. Auf dem Weg neh­men wir noch die Brü­che mit und ich erklä­re den „letz­ten Bis­sen“. Ich spü­re, wie mein Sohn mei­ne Hand nimmt, “Papa, mein Regen­bo­gen­wunsch hat sich erfüllt”. Da muss ich schlu­cken.

Da hat sich der klei­ne Jun­ge das so sehr gewünscht, dass er sogar sei­nen Regen­bo­gen­wunsch dafür opfert. Max darf dem Bock den letz­ten Bis­sen geben und wir bedan­ken uns bei dem Stück, dass es sein Leben für unser Essen gege­ben hat. Nach kur­zem Inne­hal­ten brin­gen wir dann das Stück zum Auf­bre­chen. Beim Auf­bre­chen will mein Co-Jäger alles wis­sen. Wie was heißt, wo das Geschoss durch­ging, ein­fach alles! Wir neh­men uns sehr viel Zeit für alles und er darf natür­lich auch flei­ßig mit­hel­fen. Als der Bock dann im Kühl­schrank ist, zeigt die Uhr halb zwölf. Ein per­fek­ter Tag, den wir bei­de nie ver­ges­sen wer­den und der mich mega stolz auf mei­nen Sohn gemacht hat.

Mar­tell Gör­bi

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Fri­sche küh­le Berg­luft und ein atem­be­rau­ben­der Blick ins Tal das ist mei­ne Beloh­nung nach dem anstren­gen­den Auf­stieg. Noch ist alles mucks­mäus­chen­still. Schnell tau­sche ich mein Shirt noch gegen ein fri­sches, um eine Unter­küh­lung zu ver­mei­den. Lang­sam aber sicher zei­gen sich die ers­ten Son­nen­strah­len. Anfangs meist kühl, spü­re ich jedes Mal, wie inten­siv mein Kör­per die­se ers­ten wär­men­den Strah­len auf­nimmt.

 

Mit dem Fern­glas suche ich die ande­re Tal­sei­te ab. Nach einer Wei­le erbli­cke ich Rot­wild im dich­ten Wald! Aber nur höchst sel­ten steht ein Stück in einer Lich­tung. Das erschwert das Anspre­chen und for­dert den Jäger. Bei der Berg­jagd muss zudem die Umge­bung aus­ge­kund­schaf­tet wer­den, denn das Wild könn­te bei sei­ner Todes­flucht hin­un­ter stür­zen. Das hät­te dann eine noch auf­wen­di­ge­re und kräf­te­zeh­ren­de­re Ber­gung zur Fol­ge, wofür man glei­che meh­re­re Hel­fer braucht. Je nach­dem in wel­chem Gelän­de und wie weit das erleg­te Wild fällt, ist auch oft das Wild­bret und die Tro­phäe beschä­digt.

Ich wen­de mich nach oben zu der Fels­wand, die unge­fähr 300 bis 400 Meter von mir ent­fernt ist und suche sie mit dem Glas ab. Dabei ent­de­cke ich ein klei­nes Rudel Gäm­sen. Gei­ßen und Kit­ze ste­hen in der fast senk­rech­ten Wand. Es ist fas­zi­niert mich immer wie­der, wie gut sich die­se Wild­art im Gelän­de fort­be­we­gen kann. Ein Anblick der mein Herz jedes Mal höher schla­gen lässt.

Ich lege mei­nen Berg­stock und mei­nen Ruck­sack ab. Dann spre­che ich die Gäm­sen durch das Spek­tiv genau­er an. Alte, jun­ge, kran­ke oder alte Stü­cke suche ich nach Auf­fäl­lig­kei­ten und nach Unter­schei­dungs­merk­ma­len ab. Die Gams­jagd ist für mich eines der atem­be­rau­bends­ten Erleb­nis­se, das man in den Alpen erle­ben darf, und immer wie­der eine Her­aus­for­de­rung. Nach dem anstren­gen­den Auf­stieg muss erst ein pas­sen­des Stück gefun­den wer­den. Meis­tens erblickt man zwar ein Rudel, wel­ches dann aber hun­der­te Meter ent­fernt ist. Um einen sau­be­ren und waid­ge­rech­ten Schuss anzu­brin­gen, soll­te die Schuss­di­stanz aber nicht zu groß sein. Und ober­halb der Wald­gren­ze, wo man fast kei­ne Deckung hat, sich an ein Rudel anzu­pir­schen, ist eine Kunst für sich.

Wer dann auch noch Waid­manns­heil hat, ist wei­ter gefor­dert. Dem Erle­ger steht ein anstren­gen­der Abstieg mit der Gams auf dem Rücken bevor. Das siche­re Gehen im stei­len Gelän­de ist da natür­lich Vor­aus­set­zung für die Berg­jagd, ansons­ten kann es schnell sehr gefähr­lich wer­den.

Genau das macht die Berg­jagd, beson­ders die Gams­jagd, ein­zig­ar­tig: Aben­teu­er, die kör­per­li­che Anstren­gung und der Kampf ums Wild. Auch wenn es die­ses Mal ein­fach nicht gepasst hat, die Anstren­gung lohnt sich immer und nach jedem Abstieg ins Tal, fällt mir die­ser eine Spruch ein: „Viel­leicht keh­re ich mit lee­ren Hän­den zurück, aber nie­mals mit lee­rem Her­zen“.

Simones Essentials für die Bergjagd

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Die ersten Schritte einer Jungjägerin

 

Schö­ner kommt dir dein ers­ter Bock nicht.” Die­se Wor­te hal­len noch in mei­nem Ohr nach, dann geht alles ganz schnell. Mein Fin­ger berührt den Abzug, ich las­se die Kugel flie­gen, der Bock springt ab. Fra­gend schaue ich mei­nen Papa an. “Habe ich gefehlt?” Er schmun­zelt “Nein, der Bock hat gezeich­net. Atme erst­mal durch, dann gehen wir zum Anschuss.” Auf die­sen Moment habe ich also all die Mona­te hin­ge­ar­bei­tet, dafür habe ich die Bücher gewälzt und eini­ge blaue Fle­cken vom Schieß­trai­ning ein­ge­steckt. 6 Mona­te hat die Vor­be­rei­tung auf den Jagd­schein gedau­ert, dann Prü­fung und jetzt end­lich hal­te ich den Jagd­schein in Hän­den. Zum letz­ten Mal gehe ich zusam­men mit mei­nem Papa auf den Hoch­sitz, wir tei­len die­ses Erleb­nis mei­nes “ers­ten Bocks”, künf­tig wer­den wir uns auf­tei­len und trotz­dem wer­den wir gemein­sam zur Jagd gehen.

Mein Vater ist seit eini­gen Jah­ren Jäger, seit etwa drei Jah­ren nutz­te ich die frei­en Wochen­en­den, die ich mit ihm ver­brin­ge, um mit auf Ansitz zu gehen. Immer wenn er mich ermu­tigt hat­te den Jagd­schein zu machen, wink­te ich ab. Auf­bre­chen trau­te ich mir nicht zu und ich fin­de, ent­we­der man ist ein „rich­ti­ger“ Jäger oder man lässt es blei­ben. Einen “Frau­en­bo­nus” woll­te und will ich nicht. Außer­dem reich­te es mir, dabei zu sein und mit mei­nem Papa zusam­men die Ruhe zu genie­ßen. Irgend­wann pack­te mich dann doch der Ehr­geiz, wobei mein Ego nicht nach “Beu­te machen” geschrien hat, son­dern viel mehr nach dem Wis­sen, mit dem mich mein Vater seit sei­ner Jäger­aus­bil­dung immer wie­der beein­druckt. Als Frau den Jagd­schein zu machen ist nach wie vor nicht all­täg­lich. Wobei die Anzahl der Jäge­rin­nen steigt. War vor zwan­zig Jah­ren nur ein Pro­zent der Jäger Frau­en, sind es mitt­ler­wei­le fast zehn Pro­zent. Wir Waid­frau­en sind also immer noch in der Min­der­heit, doch die Jagd wird zuneh­mend auch zu unse­rer Pas­si­on. Und trotz­dem erzäh­len vie­le Jäge­rin­nen, dass auch sie für den Schritt, Jäge­rin zu wer­den, nicht nur aner­ken­nen­de Bli­cke von der Umwelt bekom­men haben.

Wenn ich mei­ne Beweg­grün­de erklä­ren kann, lässt das Unver­ständ­nis zumin­dest ein wenig nach. War­um ich ganz per­sön­lich die Aus­bil­dung gemacht habe? Ich suche die Ruhe. Neben mei­nem for­dern­den Berufs­all­tag suche ich schon seit Jah­ren die Ent­span­nung in der Natur. Als Waid­frau ver­ste­he ich mich als Natur­schüt­ze­rin. Wer nicht weiß, wie viel die Waid­män­ner für die Natur tun, hat sich mei­ner Mei­nung nach noch nicht wirk­lich mit dem The­ma aus­ein­an­der gesetzt. Und, ganz ehr­lich: nir­gends habe ich schö­ne­re Son­nen­auf- und unter­gän­ge erlebt, nir­gends kön­nen mei­ne Gedan­ken so schwei­fen, wie auf dem Hoch­sitz. Das Erle­gen ist für mich nicht ent­schei­dend, ob ein Ansitz erfolg­reich war oder nicht. Schon das Erleb­nis zählt. Selbst­ver­ständ­lich gehört aber auch das Gewin­nen eines wert­vol­len Lebens­mit­tels für mich dazu. Ich gebe zu, ich esse ger­ne. Naja, eigent­lich esse ich vor allem ger­ne gut. Und auch wenn Wild­fleisch kein Bio-Zer­ti­fi­kat hat, gibt es für mich kein Fleisch, das mehr Bio ist als Wild. Mein Sonn­tags­bra­ten ist Genuss pur und ver­bun­den mit einem guten Gewis­sen. Und last but not least: die Tra­di­ti­on. Die­se Jäger sind ein ganz eige­nes Völk­chen, hat man mich vor­ge­warnt. Und ja, das sind sie… Moment, das sind wir. Denn ich zäh­le mich dazu, seit­dem ich voll Stolz mei­nen Jäger­brief über­reicht bekom­men habe. Wenn ich mei­nen Jagd­hut mit den Federn als ers­te Jagd­tro­phä­en auf­set­ze, die Jagd­hör­ner die Stre­cke ver­bla­sen, wenn die tie­fen Män­ner­stim­men ein „Hor­ri­do” anstim­men, dann ist das ein­fach Gemein­schaft und ich bin in mei­nem Ele­ment.

Trotz­dem lie­gen Frau­en eini­ge Stol­per­stei­ne beim Ein­stieg ins Jäger­le­ben im Weg. Es beginnt schon mit der rich­ti­gen Beklei­dung. Lie­be Ver­käu­fer, es ist nicht egal und ich möch­te nicht in Män­ner­kla­mot­ten rum­lau­fen, weil die “genau­so für Frau­en funk­tio­nie­ren”. Ich möch­te Klei­dung, die sitzt und auf mei­ne Bedürf­nis­se abge­stimmt ist. Eini­ge Her­stel­ler haben das schon ver­stan­den und bie­ten wirk­lich gute und schö­ne Jagd­klei­dung an. Schnäpp­chen sind die­se Stü­cke meist kei­ne, und mit Her­ren­be­klei­dung ver­glei­chen darf man sie natür­lich auch nicht. Und auch man­chen Spruch muss frau weg­ste­cken kön­nen, wenn sie als Jung­jä­ge­rin Fra­gen zu Kali­ber, Labo­rie­rung und Co. stellt. Aber ande­rer­seits habe ich auch schon vie­le posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen gera­de von “gestan­de­nen” Jägern bekom­men, die Frau­en als Mit­jä­ger schät­zen und über­haupt kei­nen Unter­schied zwi­schen Jäger und Jäge­rin machen. Und so manch ein Jäger in mei­nem Umfeld spricht von einem Vor­teil, den alle Jäge­rin­nen haben: Sie kom­men wesent­lich leich­ter an Ein­la­dun­gen zu Gesell­schafts­jag­den und sind in vie­len Män­ner­run­den sel­te­ne aber gern gese­he­ne Gäs­te. Also ist nicht alles schlecht als Jäge­rin.

Ans Auf­bre­chen mei­nes ers­ten Bocks geht es mit Gum­mi­hand­schu­hen und einem von Papas guten Mes­sern. Beim Schloss hilft mein Vater, ansons­ten kom­me ich allei­ne zurecht. Ich brau­che nur ein wenig Anlei­tung und Unter­stüt­zung, wie ver­mut­lich jeder der aktu­ell ins­ge­samt ca. 16 300 Jung­jä­ger der vol­ler Adre­na­lin vor sei­nem ers­ten Bock steht und noch gar nicht so recht weiß, wo er begin­nen soll. “Aber es wird von Mal zu Mal ein­fa­cher.” höre ich mei­nen Vater sagen und ich freue mich, dass ich das Jagen für mich ent­deckt habe.

Ver­fasst von Kat­rin Plew­ka | Jung­jä­ge­rin

Kat­rin Plew­ka ist seit Okto­ber 2017 Jung­jä­ge­rin. Mit der Jagd hat sie mehr als ein­fach nur ein neu­es Hob­by. Drück-, Treib­jag­den und nächt­li­che Pirsch­gän­ge — Kat­rin erkun­det gera­de mit vol­ler Jung­jä­ger-Begeis­te­rung die ver­schie­de­nen Facet­ten des Jagens. Als frü­her Vogel liebt sie die mor­gend­li­chen Ansit­ze im Revier ihres Vaters. Sie führt eine Sau­er 202.