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Ges­tern war es mal wie­der soweit: Mein Sohn und ich woll­ten end­lich mal unse­re ers­te gemein­sa­me Sau erle­gen. Nach einem tol­len Tag im Schwimm­bad und einem lecke­ren Abend­essen ging es so gegen 22.30 Uhr ins Revier. Dort ange­kom­men mach­ten wir erst­mal ein Check –

Max zählt auf: „Decken?“ Ich: „Check.“ Wie­der Max: „Hüte?“ – „Check.“ „Wär­me­bild­ge­rä­te — für mich auch eins“, sagt er. Ich: „Check.“ „Bro­te?“ Ich: „Check. Mit Wild­s­ausa­la­mi und Wild­sau Leber­wurst“ Ich bekom­me zur Ant­wort „lecker!!! Was­ser?“ „Check“ Er fährt mit sei­ner Lis­te fort: „Gum­mi­bär­chen?“ Auch an die habe ich gedacht: „Check.“ Max strahlt mich an „Papa dein Gewehr?“ und ich dar­auf läs­sig „Check.“. Alles da, was wir bei­de so für eine Nacht in der Schlaf­kan­zel brau­chen.

Grun­zen und schmat­zen direkt an der Kan­zel

Wir also los­ge­pirscht in die Kan­zel. Dort ange­kom­men rich­ten wir uns erst­mal mit allem ein. Jeder macht sei­ne Wär­me­bild­ka­me­ra an und glast erst­mal alles ab und .…. „nix da“ wur­de mir mit­ge­teilt. Ok, ich gla­se noch­mal alles gründ­lich ab und da, ein Grun­zen und Schmat­zen, aber die­se Geräu­sche kamen aus der Kan­zel. Da hat der Schlumpf sich ein­fach nach fünf Minu­ten hin­ge­legt und pennt. Ich den­ke mir schmun­zelnd „Da rede­te er seit Tagen von nix ande­rem und dann ratzt er!“

Ich beob­ach­te noch ein wenig, den­ke mir dann aber „Es kommt sowie­so nix, also hau ich mich auch hin.“ Ich las­se mei­ne Gedan­ken schwei­fen. Es ist schon der Wahn­sinn, die fri­sche Luft, die Geräusch­ku­lis­se, ein­fach herr­lich, was wir erle­ben dür­fen. Ich döse ein …

Der Schlaf der Gerech­ten

… und plötz­lich ein lau­tes Quie­ken, ich spit­ze die Ohren, lau­tes Gera­schel und Grun­zen. Sie sind da! Ich bin sofort hell wach und unter Anspan­nung. Mit dem WBG nach­ge­schaut und sie­he da, eine Rot­te mit ca. 20 Sau­en, von Frisch­lin­gen bis zur Leit­ba­che alles dabei. Ein präch­ti­ges Schau­spiel! Ich grei­fe rüber um mei­nen tap­fe­ren Mit­jä­ger wach zu bekom­men, ich rüt­te­le und schüt­te­le ihn, doch es tut sich nix. Ich beu­ge mich run­ter und flüs­te­re: „Max die Sau­en sind da“ .…. nix. Ich schüt­te­le ihn kräf­ti­ger, außer einem Stöh­nen und Schmat­zen kommt sonst nix. Ich wie­der hoch und sehe, wie die Sau­en lang­sam wei­ter zogen. Ich schaue ihnen hin­ter her und beob­ach­te sie noch ein wenig und den­ke mir, ok so ist es dann halt, dann gehen wir eben mor­gen früh auf die Pirsch und schau­en mal ob ein Bock güns­tig steht. Als ich mir so die Pirsch aus­ma­le, hör ich ein Bla­sen von der Leit­ba­che und die gan­ze Mann­schaft kommt wie­der zurück, ich also wie­der run­ter: „Max, Max die Sau­en kom­men!“ Kei­ne Reak­ti­on. Ich wie­der am Rüt­teln, jetzt wird er lang­sam sau­er und lau­ter mit sei­nem Quen­geln, also las­se ich ihn in Ruhe schla­fen. Wenn der Schuss fällt, wird er schon wach wer­den, so mei­ne Annah­me.

Ich spre­che an und kann einen Über­läu­fer­kei­ler aus­ma­chen. Doch muss ich auf­pas­sen, da sehr vie­le Fri­sche mit rum­sprin­gen. Also gehe ich in Anschlag und span­ne die Waf­fe, als der Bur­sche breit steht, kann ich ihm das RWS HIT aus der Sauer404XT in .308 auf ca 40m antra­gen. Ich schaue durchs Feu­er und sehe nix, ich wech­se­le auf das WBG und sehe, dass die Sau im Knall liegt. Alle Ande­ren sprin­gen hoch­flüch­tig ab und ver­schwin­den tosend im Wald. Dann schaue ich nach rechts und kann es nicht fas­sen, der Kur­ze ratzt immer noch. Ich las­se ihn auch, denn ich glau­be das Schwimm­bad hat ihn sehr geschlaucht.

Waid­manns­heil an den Papa

Danach bau­me ich ab und gehe zum erleg­ten Stück um ihm mei­nen Respekt zu zol­len und mich zu bedan­ken. Anschlie­ßend ber­ge ich das Stück und ver­sor­ge es. Ein Jagd­kol­le­ge, der auch im Revier war, hilft mir dabei. Nach­dem alles getan war, muss ich ja noch irgend­wie den Kur­zen aus der Kan­zel bekom­men. Das geht dann leich­ter als gedacht, mit Taschen­lam­pe ins Gesicht und nor­ma­ler Stim­me ist er rela­tiv schnell fit. Ich sage ihm, dass wir eine Sau geschos­sen haben. Er ist völ­lig über­rascht und fragt „Wann?“ Mit Trä­nen in den Augen vor Lachen erzäh­le ich ihm alles. Und er will nur wis­sen „War­um hast du mich denn nicht geweckt?!“ Was soll man dazu noch sagen?!

Wir brin­gen dann den Über­läu­fer­kei­ler in die Küh­lung und um 4 Uhr geht es dann end­lich Schla­fen.

Mar­tell Gör­bi

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Die Hima­la­ya Regi­on gehört zu den extrems­ten Jagd­rei­se­zie­len der Erde. Um ein Blauschaf auf­zu­spü­ren, eine scheue, selt­sam aus­se­hen­de Krea­tur, muss man höher ins Gebir­ge als bei der Jagd auf irgend­ei­ne ande­re Wild­art auf der Welt. Einen leich­ten Weg gibt es nicht.  Nach­dem wir vier müh­se­li­ge Tage über nack­te Fel­sen und Eis geklet­tert waren, erreich­ten wir auf 4.000 m Höhe das Lager III. Wäh­rend unse­res Auf­stiegs hat­ten wir meist mit stei­len Abhän­gen zu kämp­fen, und ein Absturz hät­te den siche­ren Tod bedeu­tet. Allein mit die­sem Risi­ko fer­tig zu wer­den, war schon anstren­gend genug. Außer­dem plag­ten mich Übel­keit, Kopf­schmer­zen und Schwin­del, alles siche­re Anzei­chen von Höhen­krank­heit.

Vor Son­nen­auf­gang hol­te ich mein Lei­ca Geo­vid HD-B 3000 und mei­ne Büch­se aus dem Zelt und folg­te einem der Jagd­füh­rer im schwa­chen Licht eines Schein­wer­fers. In Anbe­tracht der Extrem­si­tua­ti­on in Bezug auf Höhe, Tem­pe­ra­tur und höchst wahr­schein­lich auch Win­kel und Ent­fer­nung, war in jedem Fall aller­höchs­te Schus­sprä­zi­si­on erfor­der­lich. Ein unge­fäh­rer Schätz­wert wür­de hier nicht genü­gen. Um mei­ne Chan­cen auf einen siche­ren Schuss zu erhö­hen, hat­te ich mein Geo­vid mit mei­nen bal­lis­ti­schen Daten vor­pro­gram­miert.

Als die Son­ne auf­ging, mach­ten wir eine klei­ne Her­de Blauschaf­wid­der aus. Dar­un­ter befand sich ein für den Abschuss geeig­ne­tes, rei­fes Stück, das in den ers­ten Son­nen­strah­len äste. Wir klet­ter­ten auf eine Höhe von 5.000 m. Zwar hat­ten wir den Wind im Rücken, aber vie­le Mög­lich­kei­ten erga­ben sich in die­sem Gelän­de nicht. Wir beweg­ten uns so schnell wie es bei dem Man­gel an Sauer­stoff eben ging, um eine geeig­ne­te Schuss­po­si­ti­on zu errei­chen.

Als sich der Wid­der beweg­te, wur­de es Zeit für den Schuss, bevor er end­gül­tig Wind von uns bekom­men und absprin­gen wür­de. Im Bruch­teil einer Sekun­de hat­te mein Geo­vid Win­kel, Tem­pe­ra­tur, Luft­druck und Ent­fer­nung auf mei­ne indi­vi­du­el­len Bal­lis­tik­da­ten abge­stimmt. Ich kon­zen­trier­te mich voll auf den Moment. Atme­te tief durch… und trotz der schwie­ri­gen äuße­ren Umstän­de war mir ein per­fek­ter Schuss gelun­gen! Die­ses Stück Wild hat­te ich mir hart erar­bei­tet, und auf die­se har­te Arbeit war ich stolz. Ich ver­harr­te für eini­ge Minu­ten gedan­ken­ver­sun­ken bei mei­nem Wid­der. Still dasit­zend wur­de der Moment zu einer Erin­ne­rung, die ich habe und hal­ten wer­de. Es war ein beson­de­rer Augen­blick.

Lest kom­plet­ten Bericht in der aktu­el­len Hala­li. Wei­te­re span­nen­de Jagd­er­leb­nis­se fin­det Ihr außer­dem unter #mygeo­vid­mo­ment und bei Lei­ca

Text: Simon K. Barr

 

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Ges­tern war ich zum 12. Mal mit mei­nem Sohn auf dem Ansitz, seit über einem Jahr ver­su­chen wir zusam­men einen Bock zu erle­gen.

Wir hat­ten auch schon das ein oder ande­re Mal Anblick, aber dann saß der Gehör­schutz noch nicht rich­tig oder das Stück stand nicht so, dass man einen siche­ren Schuss antra­gen konn­te. Ich erklär­te ihm, wel­che Stü­cke wir wann schie­ßen dür­fen, wel­ches Wild wir in unse­rem Revier haben, was Hege bedeu­tet, wie man das erleg­te Stück behan­delt und wie man es ehrt. Auch Geschich­ten aus mei­ner Jugend muss­ten her­hal­ten um die lan­ge Zeit für einen Sie­ben­jäh­ri­gen etwas zu ver­kür­zen. Er war schon ziem­lich gefrus­tet, da es nie klapp­te. Doch ges­tern konn­te ich ihn noch­mal dazu bewe­gen, mit mir mit­zu­kom­men.

Waid­manns­heil für den nächs­ten Ansitz

Also, wir alles fer­tig gemacht, das Auto bela­den und raus ins Revier. Da gera­de Feri­en sind, darf es heu­te spä­ter wer­den. Um 18 Uhr sit­zen wir auf unse­rem Hoch­sitz bei schöns­tem Son­nen­schein. Doch bald dar­auf fängt es an zu stür­men, danach ein ordent­li­cher Regen­guss und Max fragt, ob wir nicht lie­ber gehen sol­len. Ich aber ent­schei­de „Wir blei­ben noch ein biss­chen“. Nach dem Schau­er kommt die Son­ne wie­der her­vor und wir stau­nen nicht schlecht über den schö­nen Regen­bo­gen. Mein Sohn schaut mich an und sagt freu­de­strah­lend „Da darf man sich was wün­schen!“.

Was für ein tol­les Gefühl mit mei­nem Sohn ein Teil der Natur zu sein und ihre gan­ze Schön­heit zu genie­ßen! Dann kehrt inner­li­che Ruhe ein, es kommt die Zeit, in der das Wild lang­sam aktiv wird und bei uns die Span­nung steigt. Ein Fuchs macht den Anfang. Der Rei­ne­ke schnürt am Wald­rand ent­lang und dann direkt auf uns zu. Ein herr­li­cher Anblick, den ich ger­ne mit mei­nem klei­nen Beglei­ter tei­le. Die nächs­ten 30 Minu­ten pas­siert nichts, bis wir dann am Wald­rand eine Bewe­gung wahr­neh­men. Beim Blick durch mei­ne Optik mel­de ich Max „Reh­wild“. Sei­ne Auf­re­gung muss ich lei­der ent­täu­schen, es ist eine Geiß. Doch schon der Anblick ist schön und so schau­en wir der Geiß bis kurz nach neun Uhr zu.

Manch­mal muss man erfin­de­risch sein

Plötz­lich bemer­ke ich noch eine Bewe­gung am Wald­rand, aber lei­der ver­sper­ren mir vie­le Äste den voll­stän­di­gen Blick auf das Stück. Ich schaue durch mein Glas. Da ist er — unser Bock! Ich gebe die­se Infor­ma­ti­on sogleich an mei­nen Co-Jäger wei­ter. Die­ser fragt sofort flüs­ternd: “Kannst du schie­ßen?” Dies muss ich lei­der ver­nei­nen, es sind zu viel Äste und hohes Gras im Weg, die das Anbrin­gen eines sau­be­ren Schus­ses unmög­lich machen. Ich spü­re die Anspan­nung und gleich­zei­ti­ge Ent­täu­schung in mei­nem Nacken. „Wir müs­sen Geduld haben“ sage ich, wäh­rend ich nach einer Lösung suche. Eine Idee! Ich set­ze mich auf den Boden der Kan­zel, somit ist das Pro­blem der Äste gelöst. Jetzt muss der Bock nur noch aus dem hohen Gras wech­seln. Lei­se flüs­te­re ich Max zu: „Wenn ich ent­si­che­re, musst du dir ganz fest die Ohren zu hal­ten.“ Ein lei­ses “Ok” kommt zurück. Mein Puls steigt, ich bin auf­ge­reg­ter als bei mei­nem ers­ten Stück. Kommt der Bock? Kann ich schie­ßen? Müs­sen wir wie­der mit lee­ren Hän­den heim?

Aber bei aller Anspan­nung: das Wich­tigs­te ist und bleibt der siche­re Schuss. Auch damit der Jun­ge kein unnö­ti­ges Leid sieht! Dann tritt der Bock auf ca. 80m her­vor, er steht breit und ich ent­si­che­re mei­nen Stut­zen. Ich bemer­ke eine Bewe­gung hin­ter mir. Max hält sich also die Ohren zu. Der Schuss bricht und die 7x64 ver­lässt den Lauf. Ich schaue durchs Feu­er und der Bock liegt im Knall. Danach geht der ers­te Blick zu mei­nem Sohn, der sich immer noch die Ohren zuhält. “Hast du getrof­fen?” sieht er mich fra­gend an. “Ja” kommt von mir zurück. Und er ist sich sicher “Ich will auch mal Jäger wer­den Papa”.

Der letz­te Biss – leben­di­ge Tra­di­ti­on

Was für ein Moment — ein­fach unbe­schreib­lich. Nach eini­gen Minu­ten der Stil­le bau­men wir ab und gehen lang­sam zum Stück. Auf dem Weg neh­men wir noch die Brü­che mit und ich erklä­re den „letz­ten Bis­sen“. Ich spü­re, wie mein Sohn mei­ne Hand nimmt, “Papa, mein Regen­bo­gen­wunsch hat sich erfüllt”. Da muss ich schlu­cken.

Da hat sich der klei­ne Jun­ge das so sehr gewünscht, dass er sogar sei­nen Regen­bo­gen­wunsch dafür opfert. Max darf dem Bock den letz­ten Bis­sen geben und wir bedan­ken uns bei dem Stück, dass es sein Leben für unser Essen gege­ben hat. Nach kur­zem Inne­hal­ten brin­gen wir dann das Stück zum Auf­bre­chen. Beim Auf­bre­chen will mein Co-Jäger alles wis­sen. Wie was heißt, wo das Geschoss durch­ging, ein­fach alles! Wir neh­men uns sehr viel Zeit für alles und er darf natür­lich auch flei­ßig mit­hel­fen. Als der Bock dann im Kühl­schrank ist, zeigt die Uhr halb zwölf. Ein per­fek­ter Tag, den wir bei­de nie ver­ges­sen wer­den und der mich mega stolz auf mei­nen Sohn gemacht hat.

Mar­tell Gör­bi

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Fri­sche küh­le Berg­luft und ein atem­be­rau­ben­der Blick ins Tal das ist mei­ne Beloh­nung nach dem anstren­gen­den Auf­stieg. Noch ist alles mucks­mäus­chen­still. Schnell tau­sche ich mein Shirt noch gegen ein fri­sches, um eine Unter­küh­lung zu ver­mei­den. Lang­sam aber sicher zei­gen sich die ers­ten Son­nen­strah­len. Anfangs meist kühl, spü­re ich jedes Mal, wie inten­siv mein Kör­per die­se ers­ten wär­men­den Strah­len auf­nimmt.

 

Mit dem Fern­glas suche ich die ande­re Tal­sei­te ab. Nach einer Wei­le erbli­cke ich Rot­wild im dich­ten Wald! Aber nur höchst sel­ten steht ein Stück in einer Lich­tung. Das erschwert das Anspre­chen und for­dert den Jäger. Bei der Berg­jagd muss zudem die Umge­bung aus­ge­kund­schaf­tet wer­den, denn das Wild könn­te bei sei­ner Todes­flucht hin­un­ter stür­zen. Das hät­te dann eine noch auf­wen­di­ge­re und kräf­te­zeh­ren­de­re Ber­gung zur Fol­ge, wofür man glei­che meh­re­re Hel­fer braucht. Je nach­dem in wel­chem Gelän­de und wie weit das erleg­te Wild fällt, ist auch oft das Wild­bret und die Tro­phäe beschä­digt.

Ich wen­de mich nach oben zu der Fels­wand, die unge­fähr 300 bis 400 Meter von mir ent­fernt ist und suche sie mit dem Glas ab. Dabei ent­de­cke ich ein klei­nes Rudel Gäm­sen. Gei­ßen und Kit­ze ste­hen in der fast senk­rech­ten Wand. Es ist fas­zi­niert mich immer wie­der, wie gut sich die­se Wild­art im Gelän­de fort­be­we­gen kann. Ein Anblick der mein Herz jedes Mal höher schla­gen lässt.

Ich lege mei­nen Berg­stock und mei­nen Ruck­sack ab. Dann spre­che ich die Gäm­sen durch das Spek­tiv genau­er an. Alte, jun­ge, kran­ke oder alte Stü­cke suche ich nach Auf­fäl­lig­kei­ten und nach Unter­schei­dungs­merk­ma­len ab. Die Gams­jagd ist für mich eines der atem­be­rau­bends­ten Erleb­nis­se, das man in den Alpen erle­ben darf, und immer wie­der eine Her­aus­for­de­rung. Nach dem anstren­gen­den Auf­stieg muss erst ein pas­sen­des Stück gefun­den wer­den. Meis­tens erblickt man zwar ein Rudel, wel­ches dann aber hun­der­te Meter ent­fernt ist. Um einen sau­be­ren und waid­ge­rech­ten Schuss anzu­brin­gen, soll­te die Schuss­di­stanz aber nicht zu groß sein. Und ober­halb der Wald­gren­ze, wo man fast kei­ne Deckung hat, sich an ein Rudel anzu­pir­schen, ist eine Kunst für sich.

Wer dann auch noch Waid­manns­heil hat, ist wei­ter gefor­dert. Dem Erle­ger steht ein anstren­gen­der Abstieg mit der Gams auf dem Rücken bevor. Das siche­re Gehen im stei­len Gelän­de ist da natür­lich Vor­aus­set­zung für die Berg­jagd, ansons­ten kann es schnell sehr gefähr­lich wer­den.

Genau das macht die Berg­jagd, beson­ders die Gams­jagd, ein­zig­ar­tig: Aben­teu­er, die kör­per­li­che Anstren­gung und der Kampf ums Wild. Auch wenn es die­ses Mal ein­fach nicht gepasst hat, die Anstren­gung lohnt sich immer und nach jedem Abstieg ins Tal, fällt mir die­ser eine Spruch ein: „Viel­leicht keh­re ich mit lee­ren Hän­den zurück, aber nie­mals mit lee­rem Her­zen“.

Simones Essentials für die Bergjagd

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Die ersten Schritte einer Jungjägerin

 

Schö­ner kommt dir dein ers­ter Bock nicht.” Die­se Wor­te hal­len noch in mei­nem Ohr nach, dann geht alles ganz schnell. Mein Fin­ger berührt den Abzug, ich las­se die Kugel flie­gen, der Bock springt ab. Fra­gend schaue ich mei­nen Papa an. “Habe ich gefehlt?” Er schmun­zelt “Nein, der Bock hat gezeich­net. Atme erst­mal durch, dann gehen wir zum Anschuss.” Auf die­sen Moment habe ich also all die Mona­te hin­ge­ar­bei­tet, dafür habe ich die Bücher gewälzt und eini­ge blaue Fle­cken vom Schieß­trai­ning ein­ge­steckt. 6 Mona­te hat die Vor­be­rei­tung auf den Jagd­schein gedau­ert, dann Prü­fung und jetzt end­lich hal­te ich den Jagd­schein in Hän­den. Zum letz­ten Mal gehe ich zusam­men mit mei­nem Papa auf den Hoch­sitz, wir tei­len die­ses Erleb­nis mei­nes “ers­ten Bocks”, künf­tig wer­den wir uns auf­tei­len und trotz­dem wer­den wir gemein­sam zur Jagd gehen.

Mein Vater ist seit eini­gen Jah­ren Jäger, seit etwa drei Jah­ren nutz­te ich die frei­en Wochen­en­den, die ich mit ihm ver­brin­ge, um mit auf Ansitz zu gehen. Immer wenn er mich ermu­tigt hat­te den Jagd­schein zu machen, wink­te ich ab. Auf­bre­chen trau­te ich mir nicht zu und ich fin­de, ent­we­der man ist ein „rich­ti­ger“ Jäger oder man lässt es blei­ben. Einen “Frau­en­bo­nus” woll­te und will ich nicht. Außer­dem reich­te es mir, dabei zu sein und mit mei­nem Papa zusam­men die Ruhe zu genie­ßen. Irgend­wann pack­te mich dann doch der Ehr­geiz, wobei mein Ego nicht nach “Beu­te machen” geschrien hat, son­dern viel mehr nach dem Wis­sen, mit dem mich mein Vater seit sei­ner Jäger­aus­bil­dung immer wie­der beein­druckt. Als Frau den Jagd­schein zu machen ist nach wie vor nicht all­täg­lich. Wobei die Anzahl der Jäge­rin­nen steigt. War vor zwan­zig Jah­ren nur ein Pro­zent der Jäger Frau­en, sind es mitt­ler­wei­le fast zehn Pro­zent. Wir Waid­frau­en sind also immer noch in der Min­der­heit, doch die Jagd wird zuneh­mend auch zu unse­rer Pas­si­on. Und trotz­dem erzäh­len vie­le Jäge­rin­nen, dass auch sie für den Schritt, Jäge­rin zu wer­den, nicht nur aner­ken­nen­de Bli­cke von der Umwelt bekom­men haben.

Wenn ich mei­ne Beweg­grün­de erklä­ren kann, lässt das Unver­ständ­nis zumin­dest ein wenig nach. War­um ich ganz per­sön­lich die Aus­bil­dung gemacht habe? Ich suche die Ruhe. Neben mei­nem for­dern­den Berufs­all­tag suche ich schon seit Jah­ren die Ent­span­nung in der Natur. Als Waid­frau ver­ste­he ich mich als Natur­schüt­ze­rin. Wer nicht weiß, wie viel die Waid­män­ner für die Natur tun, hat sich mei­ner Mei­nung nach noch nicht wirk­lich mit dem The­ma aus­ein­an­der gesetzt. Und, ganz ehr­lich: nir­gends habe ich schö­ne­re Son­nen­auf- und unter­gän­ge erlebt, nir­gends kön­nen mei­ne Gedan­ken so schwei­fen, wie auf dem Hoch­sitz. Das Erle­gen ist für mich nicht ent­schei­dend, ob ein Ansitz erfolg­reich war oder nicht. Schon das Erleb­nis zählt. Selbst­ver­ständ­lich gehört aber auch das Gewin­nen eines wert­vol­len Lebens­mit­tels für mich dazu. Ich gebe zu, ich esse ger­ne. Naja, eigent­lich esse ich vor allem ger­ne gut. Und auch wenn Wild­fleisch kein Bio-Zer­ti­fi­kat hat, gibt es für mich kein Fleisch, das mehr Bio ist als Wild. Mein Sonn­tags­bra­ten ist Genuss pur und ver­bun­den mit einem guten Gewis­sen. Und last but not least: die Tra­di­ti­on. Die­se Jäger sind ein ganz eige­nes Völk­chen, hat man mich vor­ge­warnt. Und ja, das sind sie… Moment, das sind wir. Denn ich zäh­le mich dazu, seit­dem ich voll Stolz mei­nen Jäger­brief über­reicht bekom­men habe. Wenn ich mei­nen Jagd­hut mit den Federn als ers­te Jagd­tro­phä­en auf­set­ze, die Jagd­hör­ner die Stre­cke ver­bla­sen, wenn die tie­fen Män­ner­stim­men ein „Hor­ri­do” anstim­men, dann ist das ein­fach Gemein­schaft und ich bin in mei­nem Ele­ment.

Trotz­dem lie­gen Frau­en eini­ge Stol­per­stei­ne beim Ein­stieg ins Jäger­le­ben im Weg. Es beginnt schon mit der rich­ti­gen Beklei­dung. Lie­be Ver­käu­fer, es ist nicht egal und ich möch­te nicht in Män­ner­kla­mot­ten rum­lau­fen, weil die “genau­so für Frau­en funk­tio­nie­ren”. Ich möch­te Klei­dung, die sitzt und auf mei­ne Bedürf­nis­se abge­stimmt ist. Eini­ge Her­stel­ler haben das schon ver­stan­den und bie­ten wirk­lich gute und schö­ne Jagd­klei­dung an. Schnäpp­chen sind die­se Stü­cke meist kei­ne, und mit Her­ren­be­klei­dung ver­glei­chen darf man sie natür­lich auch nicht. Und auch man­chen Spruch muss frau weg­ste­cken kön­nen, wenn sie als Jung­jä­ge­rin Fra­gen zu Kali­ber, Labo­rie­rung und Co. stellt. Aber ande­rer­seits habe ich auch schon vie­le posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen gera­de von “gestan­de­nen” Jägern bekom­men, die Frau­en als Mit­jä­ger schät­zen und über­haupt kei­nen Unter­schied zwi­schen Jäger und Jäge­rin machen. Und so manch ein Jäger in mei­nem Umfeld spricht von einem Vor­teil, den alle Jäge­rin­nen haben: Sie kom­men wesent­lich leich­ter an Ein­la­dun­gen zu Gesell­schafts­jag­den und sind in vie­len Män­ner­run­den sel­te­ne aber gern gese­he­ne Gäs­te. Also ist nicht alles schlecht als Jäge­rin.

Ans Auf­bre­chen mei­nes ers­ten Bocks geht es mit Gum­mi­hand­schu­hen und einem von Papas guten Mes­sern. Beim Schloss hilft mein Vater, ansons­ten kom­me ich allei­ne zurecht. Ich brau­che nur ein wenig Anlei­tung und Unter­stüt­zung, wie ver­mut­lich jeder der aktu­ell ins­ge­samt ca. 16 300 Jung­jä­ger der vol­ler Adre­na­lin vor sei­nem ers­ten Bock steht und noch gar nicht so recht weiß, wo er begin­nen soll. “Aber es wird von Mal zu Mal ein­fa­cher.” höre ich mei­nen Vater sagen und ich freue mich, dass ich das Jagen für mich ent­deckt habe.

Ver­fasst von Kat­rin Plew­ka | Jung­jä­ge­rin

Kat­rin Plew­ka ist seit Okto­ber 2017 Jung­jä­ge­rin. Mit der Jagd hat sie mehr als ein­fach nur ein neu­es Hob­by. Drück-, Treib­jag­den und nächt­li­che Pirsch­gän­ge — Kat­rin erkun­det gera­de mit vol­ler Jung­jä­ger-Begeis­te­rung die ver­schie­de­nen Facet­ten des Jagens. Als frü­her Vogel liebt sie die mor­gend­li­chen Ansit­ze im Revier ihres Vaters. Sie führt eine Sau­er 202.