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Beau­ti­ful sce­ne­ry, eh?“ fragt mich Ian, nach­dem wir bereits gute 20 Minu­ten im trie­fend nas­sen Hei­de­kraut lie­gen. 200 Meter vor uns liegt unter einem plötz­lich fast wol­ken­lo­sen blau­en Him­mel und in Son­ne getaucht der star­ke Hirsch, umge­ben von etwa 20 Stück Kahl­wild, das sich zum Teil eben­falls nie­der­ge­tan hat oder vor sich hin äst. Um uns her­um kön­nen wir min­des­tens zwei wei­te­re Hir­sche röh­ren hören, die wir zwar nicht sehen, wel­che aber nicht weit vom Rudel ste­hen kön­nen. Als Ant­wort brin­ge ich nur ein leich­tes Kopf­ni­cken zustan­de, über­wäl­tigt von dem Anblick der sich mir und mei­nem befreun­de­ten Game Kee­per bie­tet. In die­sem Augen­blick ist es mir völ­lig gleich­gül­tig, ob der Hirsch sich noch­mal breit­stellt. Der Schuss rückt für mich plötz­lich völ­lig in den Hin­ter­grund, denn dies ist einer der schöns­ten jagd­li­chen Momen­te, die ich bis­her erle­ben durf­te. Da reißt mich plötz­lich eine klei­ne Bewe­gung aus mei­nen Gedan­ken: Hin­ter der klei­nen Kup­pe, vor der sich der Hirsch nie­der­ge­tan hat, mache ich ein vor­bei­zie­hen­des Geweih aus. Der Hirsch steht auf und wäh­rend ich noch halb im gedank­li­chen Nir­va­na trei­be, höre ich von links neben mir Ians Stim­me, die mir in die­sem Moment von mei­len­weit ent­fernt zuzu­ru­fen scheint: „Ok Tim, when you’re ready…“

I don’t need therapy, I just need to go to Scotland

Die Hirsch­jagd in Schott­land steht wohl bei so man­chen ganz oben auf der jagd­li­chen Bucket List. Allein der Gedan­ke an die Pirsch durch die wun­der­schö­nen High­lands lässt bereits so man­ches pas­sio­nier­te Jäger­herz höher schla­gen. Bei mir ver­hält es sich ganz ähn­lich. Ein­zi­ger Unter­schied: Ich kom­me nicht nur zum tra­di­ti­ons­rei­chen Deer Stal­king in den hohen Nor­den Groß­bri­tan­ni­ens. Tat­säch­lich mache ich seit etwa sechs Jah­ren, abge­se­hen von ein paar Kurz­trips nach Süd­eng­land und Wales, nir­gend­wo anders mehr Urlaub. Ich kann von Glück sagen, dass mei­ne Frau nicht nur Strand­ur­lau­be eben­so aufs tiefs­te ver­ab­scheut wie ich es tue, son­dern sich eben­falls unsterb­li­che in die­ses wil­de und wun­der­schö­ne Fleck­chen Erde ver­liebt hat, sonst hät­te ich wohl ein ernst­haf­tes Pro­blem. Als wir im Früh­jahr die­ses Jah­res unse­re Heim­rei­se von Ard­na­murchan aus antre­ten führt unser Weg tra­di­ti­ons­ge­mäß zurück ins Herz der High­lands nach Loch Ran­noch, dort­hin, wo für mich vor eini­gen Jah­ren alles mit einer Jagd­rei­se begann. Bereits damals beglei­te­te mich Ian, der Game Kee­per des Esta­tes, auf mei­nen ers­ten anstren­gen­den aber dafür umso schö­ne­ren Pirsch­gän­gen durch die teil­wei­se steil nach oben füh­ren­de Hei­de­land­schaft. Mit ihm konn­te ich mei­nen ers­ten Schott­land Hirsch erle­gen, ein eben­so erschöp­fen­des wie hoch emo­tio­na­les Erleb­nis, das tief ver­bin­det. In den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren besuch­ten wir Ian immer wie­der wäh­rend unse­res Urlaubs bis er das Esta­te ver­ließ und wir uns eine Zeit­lang aus den Augen ver­lo­ren. Glück­li­cher­wei­se führt vor­bei an Loch Ran­noch genau eine Stra­ße, die zudem auch noch mit­ten im Nir­gend­wo endet. Von dort aus geht es nur noch mit dem Slee­per Train zurück nach Lon­don oder zu Fuß ins Ran­noch Moor. Da Ian ein­fach nur zum nächs­ten Esta­te die Stra­ße run­ter gewech­selt hat­te war es kein gro­ßer Zufall als er mir im Früh­jahr mit sei­nem Trak­tor die Vor­fahrt nahm. Kur­ze Zeit spä­ter war klar, wir sehen uns im Herbst zur Hirsch­jagd wie­der. Nach­dem wir wie­der ins Auto gestie­gen sind und unse­re Heim­rei­se fort­setz­ten beginnt mei­ne Vor­freu­de, die bis zum Okto­ber anhal­ten soll­te. Bis dahin kam mir immer wie­der nur ein Satz in den Sinn, wenn ich mal einen schlech­ten Tag erwischt hat­te: I don’t need the­ra­py, I just need to go to Scot­land!

Spä­tes­tens beim Ver­las­sen der Fäh­re in New­cast­le beginnt für mich nor­ma­ler­wei­se der Urlaub. Ver­ges­sen sind die 200 emo­ti­ons­ge­la­de­nen Kilo­me­ter auf fünf­spu­rig aus­ge­bau­ten nie­der­län­di­schen Auto­bah­nen, auf denen die erlaub­ten 100Kmh einen dazu nöti­gen im Minu­ten­takt ins Lenk­rad zu bei­ßen und in denen man sich Man­tra mäßig schwört, in die­ser nach Kuh­schei­ße stin­ken­den Ödnis nicht tot überm Zaun hän­gen zu wol­len. Spä­tes­tens als wir den Sicher­heits­check pas­sie­ren und auf rei­hen­wei­se grü­ne Land Rover mit gel­ben Num­mern­schil­dern und NL-Auf­kle­ber bli­cken, ver­spü­re ich noch grö­ße­re Glück­se­lig­keit. „Kommt davon, wenn man meint, sei­ne eige­nen Büch­sen mit­schlep­pen zu müs­sen“, den­ke ich, ver­nei­ne die Fra­ge der offen­sicht­lich erleich­ter­ten Poli­zei­be­am­tin, ob ich eine Waf­fe mit­füh­re und schie­be noch ein „You’re wel­co­me“ hin­ter­her, dass sie mir mit einem Lacher quit­tiert. Freun­de bei der Poli­zei kann man immer brau­chen und schon sind wir auf dem Motor­way Rich­tung Nor­den. Als wir das Wel­co­me-to-Scot­land-Schild pas­sie­ren stel­le ich inner­lich auf Auto Pilot und der Ran­ger bahnt sich sei­nen Weg vor­bei an Edin­burgh und wenig spä­ter in die High­lands. Bei Loch Ran­noch ange­kom­men, stellt sich auf den letz­ten Kilo­me­tern ein hei­me­li­ges Gefühl ein. Erst recht als uns Ian herz­lich an sei­nem neu­en Arbeits­platz begrüßt. Wir tau­schen kurz die wich­tigs­ten Neu­ig­kei­ten aus und ver­ab­re­den uns für 9 Uhr am nächs­ten Mor­gen.

My wife will tell me off for keeping you out so long!“

 Am nächs­ten Mor­gen sind wir früh auf den Bei­nen. Bei einer Stun­de Zeit­ver­schie­bung von Jet Leg zu spre­chen wäre wohl mehr als lächer­lich, trotz­dem sorgt eben die­se dafür, dass wir unse­re Hun­de bereits um 7 Uhr über die wei­ten Wie­sen des Esta­tes schi­cken. Pünkt­lich um 9 Uhr kommt Ian mit, Obacht, Ian um die Ecke. Ian Nr. 2 stammt aus dem Lake Dis­trict im Nor­den Eng­lands und ist mit sei­nen über 60 Len­zen als Ghil­lie auf dem Esta­te tätig und damit nach dem Stal­king haupt­säch­lich dafür ver­ant­wort­lich, dass wir das erleg­te Wild zurück zum Esta­te bekom­men ohne dafür ein Nacht­la­ger auf­schla­gen zu müs­sen, indem er uns zwar nicht mit Pony, dafür aber mit Ket­ten­fahr­zeug im Ide­al­fall an Ort und Stel­le abholt. Im Ide­al­fall… Der Umstand, dass die bei­den den glei­chen Vor­na­men tei­len soll­te bei mir in den nächs­ten Tagen beim Lau­schen der Funk­sprü­che zwi­schen den bei­den noch für eini­ge Schmunz­ler sor­gen. „Ian, can you hear me?“ „Yes, I can hear you Ian.“ Situa­ti­ons­ko­mik.

Auf dem Weg zum obli­ga­to­ri­schen Pro­be­schuss fra­ge ich Game Kee­per Ian, mit was für einer Büch­se wir jagen wer­den und kann es mir nicht ver­knei­fen „plea­se don’t say its a Bla­ser“, hin­ter­her zu wer­fen. Die R8 und ich haben eine Ver­gan­gen­heit. Als ich vor eini­gen Jah­ren mit Ian neben mir im Anschlag auf mei­nen ers­ten Schott­land-Hirsch lag und end­lich das OK für den Schuss kam, quit­tier­te mir die Waf­fe mein Zie­hen am Abzug mit einem der­art unan­ge­neh­men lau­ten „KLICK“, dass gleich alle drei Hir­sche die auf knapp 150 Meter vor uns ästen auf­war­fen und der Schot­te neben mir in einem Fluch­an­fall vom Feins­ten ver­sank. Die Waf­fe war neu und Ian hat­te wohl nicht kom­plett nach hin­ten repe­tiert. Eini­ge wer­den das Pro­blem ken­nen. Den Hirsch habe ich dann doch noch bekom­men. Aber Bla­ser und ich wer­den wohl nie mehr Freun­de. Das Esta­te Rif­le, wel­ches Ian aus dem Fut­te­ral zau­bert ist kei­ne Bla­ser, son­dern eine kunst­stoff­ge­schäf­te­te Sako in .270. „Glück gehabt,“ den­ke ich aber ein mul­mi­ges Gefühl bleibt, denn in den letz­ten Wochen hat­te ich wenig Glück beim Schie­ßen und selbst das ist noch weit unter­trie­ben: Ich habe total beschis­sen geschos­sen, so sieht es mal aus. Etli­che Pro­be­schüs­se erga­ben einen Streu­kreis, dass die­ser gera­de noch auf der Schei­be platz fand. Die­ser beför­der­te mich von einem selbst­be­wuss­ten Schüt­zen direkt zurück in die jung­jä­ger­li­che Fötus­hal­tung. Wor­an es letzt­end­lich lag, ich weiß es bis heu­te nicht. Der ers­te Pro­be­schuss zurück in Schott­land fin­det jeden­falls sein Ziel direkt ins Herz des lebens­gro­ßen Holz­hir­schen. Genau da, wo er in Schott­land hin soll, um ja kein Gramm Wild­bret zu ver­geu­den. Auch der Zwei­te trifft und mein Selbst­ver­trau­en sitzt auf ein­mal in einer Rake­te Rich­tung Mond.

Ian und Ian packen schnell alles zusam­men und schon sit­zen wir in unse­ren Ran­gern auf dem Weg ins Revier. Nach einer 20 Minü­ti­gen Fahrt, die uns sogar durch ein klei­nes Wäld­chen führt, kom­men wir an einer Jagd­hüt­te am Ufer von Loch Ericht an. Wäh­rend der eine Ian erst ein­mal einen Kaf­fee auf­setzt, tankt der ande­re Ian das klei­ne Ket­ten­fahr­zeug voll mit dem es tie­fer ins Revier gehen soll. Mei­ne Frau und ich nut­zen die Zeit um die Hun­de noch­mal ins eis­kal­te Was­ser zu schi­cken. Da die bei­den zurück­blei­ben müs­sen wäh­rend wir Stal­ken und dabei in ihren Boxen auf der Lade­flä­che des Ran­gers schnell trock­nen und nicht kom­plett aus­küh­len, bekom­men sie nach ihrem Bad Hun­de­män­tel von Sic­ca­ro über­ge­zo­gen, für die ich in letz­ter Zeit beson­ders auf den ers­ten Drück­jag­den des Öfte­ren belä­chelt wur­de. Für mich haben sich die Män­tel jeden­falls als ech­ter Glücks­griff ent­puppt: Die Hun­de sind nach 15 Minu­ten tro­cken und zusätz­lich küh­len sie nach einer anstren­gen­den Drück­jagd nicht kom­plett aus, wenn sie im Auto auf mich war­ten müs­sen, weil das Schlüs­sel­trei­ben mal wie­der etwas län­ger dau­ert. Danach trin­ken wir unse­ren Kaf­fee und las­sen unse­re Bli­cke über das Loch und die wun­der­schö­ne Land­schaft schwei­fen, dann geht es per Ket­ten­fahr­zeug tie­fer ins Revier und die ers­ten Stei­gun­gen hoch.

Immer wie­der hal­ten wir an, um Aus­schau nach Hir­schen zu hal­ten. Was sich nach Safa­ri anhört läuft eher so: Ohne unser Gefährt, wür­den wir den hal­ben Tag damit zubrin­gen, zu Fuß dahin zukom­men, wo wir hin­wol­len. Die Hir­sche die wir wäh­rend unse­rer Fahrt aus­ma­chen ste­hen zudem nicht in Schuss­di­stanz, son­dern in einer Ent­fer­nung, dass sie trotz Optik kaum aus­zu­ma­chen sind. Als wir weit genug vor­ge­drun­gen sind, geht es für Ian, mei­ne Frau und mich end­lich zu Fuß wei­ter und das bei strah­len­dem Son­nen­schein. In den Wochen zuvor hat es der­art gereg­net, dass Ian mit dem Abschuss stark hin­ter­her­hinkt. Selbst für schot­ti­sche Ver­hält­nis­se, so erklärt er mir, war das Aus­maß an Was­ser von oben mehr als zu viel des Guten. „Gut, dass wir da sind,“ ermu­ti­ge ich ihn, „wenn wir in Schott­land sind, scheint immer die Son­ne“. Und so soll es auch an die­sem Tag sein. Die ers­ten zwei Stun­den kön­nen wir kei­nen Hirsch aus­ma­chen, dafür machen wir eini­ges an Metern gut. Wirk­lich Stei­gun­gen haben wir noch nicht zu bewäl­ti­gen, dafür unweg­sa­mes Ter­rain: Wir durch­que­ren Bäche, trie­fend nas­ses Hei­de­kraut und etwas, das aus­sieht wie aus­ge­trock­ne­te Bäche die aller­dings kom­plett aus Torf bestehen, für die mir lei­der der Fach­ter­mi­nus fehlt. „Ein Inch Torf, stellt 1000 Jah­re da“, erklärt mir Ian. Dann kön­ne ich mir den­ken, wie alt die Wur­zeln sind, die fast einen Meter tief aus der schwar­zen, nas­sen Mat­sche her­aus­ra­gen. Wäh­rend ich mir dazu mei­ne Gedan­ken mache, höre ich hin­ter mir ein laut schmat­zen­des Geräusch, gefolgt von einem lachen­den „Schei­ße“. Als ich mich umdre­he, hat mei­ne Frau eini­ges ihrer Kör­per­grö­ße ein­ge­büßt. Fast bis zu den Kni­en ver­sun­ken im Torf streckt sie mir Ihre Hän­de ent­ge­gen und ich bin kurz davor Ian auch noch hin­zu­zu­ho­len, doch dann macht es einen Ruck und mei­ne Frau samt kilo­wei­se urzeit­li­chem Torf ste­hen wie­der neben mir. „Jetzt wer­den wir sehen, was die Kla­mot­ten kön­nen,“ sage ich und wir set­zen unse­ren Weg fort. HAIX hat­te uns bereits Wochen zuvor zu Test­zwe­cken sowohl mit dem Damen- als auch der hohen Ver­si­on des Her­ren­mo­dells des neu­en Natu­re One GTX Stie­fels ver­sorgt. Die Stie­fel wür­den dicht hal­ten, davon war ich über­zeugt, konn­te ich die Schu­he doch bereits aus­gie­big im hei­mi­schen Revier in Kom­bi­na­ti­on mit den hoch­wer­ti­gen Trek­king-Socken von Fal­ke, die nicht nur zu einem ver­nünf­ti­gen Fuß­kli­ma, son­dern auch zu zusätz­li­cher Sta­bi­li­tät bei­tra­gen, tes­ten. Sor­gen mach­te ich mir eher um die Bestän­dig­keit der Lady Chris­ti­ne Hose aus der neu­en Deer­hun­ter Ladys Collec­tion, die wir noch kurz vor­her erstan­den hat­ten. Zum Glück, muss man sagen, denn die inte­grier­ten Gama­schen ver­hin­der­ten nicht nur das Hoch­rut­schen der Hosen­bei­ne beim ver­sin­ken im Torf, die Ver­stär­kung an den Bei­nen sorg­te zudem dafür, dass mei­ne Frau unse­ren Marsch durch die High­lands tro­cken und warm fort­set­zen konn­te!

Nach etwa drei Stun­den und unzäh­li­gen Bli­cken durch mein hand­li­ches Lei­ca Noc­tivid und Ians Fern­rohr kön­ne wir end­lich einen schieß­ba­ren Hirsch mit meh­re­ren Stü­cken Kahl­wild aus­ma­chen. Der Wind steht im Grun­de güns­tig trotz­dem müs­sen wir das Rudel man­gels pas­sen­der Deckung weit­räu­mig umschla­gen und so ver­ge­hen erneut gute 90 Minu­ten. In die­ser Zeit ver­lie­ren wir den Hirsch kom­plett aus den Augen. Vor uns tut sich im Halb­kreis ein Gebirgs­kamm auf. Gute 1000 Meter vor dem Fuße des Kamms packt Ian der klei­ne Hun­ger und wir las­sen uns hin­ter zwei Fel­sen fürs Lunch und einen Tas­se Tee nie­der. Es ist mitt­ler­wei­le nach zwei und Ian sucht zwi­schen sei­nen Bis­sen in die lan­des­ty­pi­sche körner­lo­se und wei­ße Abscheu­lich­keit die sich hier Brot schimpft den Hir­schen aus­zu­ma­chen. Als er mir klar­ma­chen will wo der Hirsch ist, ertönt vom Berg aus ein ver­är­ger­tes Röh­ren. Wir schau­en nach rechts und machen weit oben nahe der Kup­pe ein Rudel Rot­wild samt Hirsch aus, das uns wäh­rend unse­rer Pau­se genau­es­tens beob­ach­tet. Zum sel­ben Zeit­punkt setzt sich das Rudel im Tal in Bewe­gung und mar­schiert wei­ter in Rich­tung einer rie­si­gen Sen­ke.

Für Ian genau der rich­ti­ge Zeit­punkt um mir mit­zu­tei­len, dass die­ser Ort auch „Sanc­tua­ry“ (Zufluchts­ort) genannt wird. Mein ver­dutz­ter Blick ani­miert Ian direkt zur wei­te­ren Erklä­rung „Hier kann nicht geschos­sen wer­den. Hier kom­men wir weder mit Argo, Ket­ten­fahr­zeug noch sons­ti­gem durch, selbst mit Pony wird es hier schwie­rig.“ „Nä, ne?“ den­ke ich und gera­de als ich die­sem Gedan­ken mit einer ein­wand­frei­en Über­set­zun­gen in Form von „Are you fuck­ing kid­ding me?“ die Frei­heit schen­ken will, deu­tet Ian nach links in den Hang. Knapp 600 Meter von uns ent­fernt ste­hen zwei stär­ke­re Hir­sche, die mit­ten in ihren letz­ten Kampf­vor­be­rei­tun­gen um zwei Stü­cke Kahl­wild zu ste­cken schei­nen. Doch nicht umsonst die Ren­ne­rei den­ke ich und muss mich sofort selbst ermah­nen: Umsonst ist hier kein Meter! Jeder Schritt ist Teil eines ein­zig­ar­ti­gen Erleb­nis­ses, bei dem der Schuss erar­bei­tet wer­den muss. Idi­ot! Des­halb kom­me ich immer wie­der her. Wir ver­stau­en unse­ren Pro­vi­ant und steu­ern gera­de­wegs auf den Fuß des Gebirgs­kamms zu, der Wind steht gut und das Gelän­de bie­tet uns mit sei­nen zahl­rei­chen Hebun­gen und Sen­kun­gen genug Deckung. Immer wie­der bleibt Ian ste­hen und schaut abwech­selnd durch sein Glas und den Berg Hoch. Ich ken­ne die­sen Blick und war­ne mei­ne Frau schon mal vor, dass es gleich wahr­schein­lich recht steil nach oben gehen wird. Und zwar ganz nach oben! Das soll­ten in die­sem Fall gute 800 Höhen­me­ter sein. Hört sich wenig spek­ta­ku­lär an, aber spä­tes­tens beim Auf­stieg weiß man auch die klei­nen Din­ge im Leben zu schät­zen. Wir kom­men aber noch­mal drum her­um. Nach etwa 300 Metern schau­en wir noch ein letz­tes Mal durchs Glas, dann las­sen wir mei­ne Frau zurück, um uns unbe­merkt in Schuss­ent­fer­nung zu brin­gen.

Die Hir­sche ste­hen gut 350 Meter ent­fernt. Nach nur einem kur­zen Abtas­ten haben die bei­den Kon­tra­hen­ten sich zudem dar­auf geei­nigt, ein­fach etwas Abstand von­ein­an­der zu hal­ten. Die knapp 150 Meter, die wir uns im Hang vor­an­tas­ten, las­sen mei­nen Puls nach oben schnel­len und ich mer­ke deut­lich, dass mein Hemd am Rücken kom­plett durch­ge­nässt sein muss. Noch ein paar Meter und wir suchen Deckung hin­ter 2 dicken Fel­sen, die wohl in lan­ger Ver­gan­gen­heit ein ein­zi­ger gewe­sen sein müs­sen. Ich gebe Ian wie immer den allei­ni­gen Vor­zug als er sei­nen Kopf samt Glas über den rech­ten, fla­che­ren Fel­sen hebt, wäh­rend ich mich am höhe­ren lin­ken abstüt­ze. So ver­ge­hen ein paar Minu­ten, in denen mein Puls die Mög­lich­keit hat sich zu beru­hi­gen. Dann rutscht mein Freund über den Bauch eine Eta­ge höher, und nimmt erneut das Glas vor die Augen. Ich sehe bis dahin nichts und habe kei­ne Ahnung was sich hin­ter dem stei­ner­nen Sicht­schutz abspielt. End­lich kommt Ian die weni­gen Meter zurück­ge­rutscht und teilt mir mit, dass der stär­ke­re der bei­den Hir­sche sich samt einem Stück Kahl­wild aus dem Staub gemacht hat, der ande­re aber auch schieß­bar sei. Er greift mir an die Schul­ter, zieht mich ein Stück nach rechts, damit ich freie Sicht habe und deu­tet mir die Rich­tung wo der Hirsch steht. Ich sehe nichts. Ian zeigt noch­mal. Wie­der nichts. Ich bewe­ge das Lei­ca etwas hin und her und sehe zwei Alt­tie­re. Eines wei­ter ober­halb, das ande­re etwas 5 Meter wei­ter unten. Zwi­schen den bei­den, so erklärt Ian, steht der Hirsch. Nichts. Dann lässt er die Kat­ze end­lich aus dem Sack und erklärt man, kön­ne nur das Geweih sein, und davon auch nur eine Stan­ge. Noch­mal set­ze ich das Noc­tivid an und ver­su­che in fast 200 Metern eine Geweih­stan­ge aus­zu­ma­chen. Dann plötz­lich eine Bewe­gung, da ist sie. Ich kann gera­de eben die enden zäh­len. 1, 2,…3,… … … … 4. Dann suchen wir erneut Deckung und Ian öff­net das Fut­te­ral, repe­tiert so lei­se es geht eine Kugel in die Kam­mer, klappt das Zwei­bein am Schaft der Sako aus und posi­tio­niert die Büch­se auf dem lin­ken, fla­che­ren Stein. Er erklärt mir noch, dass wir war­ten, bis der Hirsch hin­ter dem Fels­vor­sprung her­vor tritt hin­ter dem er sich noch ver­steckt hält um dann hof­fent­lich einen Schuss antra­gen kön­nen. Danach rutscht er wie­der drei Meter von der Büch­se weg nach oben und ich posi­tio­nie­re mich mit mei­nem gan­zen Ober­kör­per auf dem Fels lie­gend hin­ter die­sen. Es dau­ert wie­der einen Moment bis ich das Geweih des Ach­ters auch im Ziel­fern­rohr fin­de. Dann schie­be ich mei­nen Arm zum Sta­bi­li­sie­ren unter den Schaft und ver­har­re eini­ge Minu­ten in die­ser Posi­ti­on. Immer wie­der bewegt sich das Geweih, dann plötz­lich röhrt der Hirsch und hebt dabei sein Haupt. Mehr sehe ich auch in den wei­te­ren Minu­ten nicht. Ich muss aber fest­stel­len, dass eines der bei­den Alt­tie­re starr in unse­re Rich­tung äugt. Ich ver­su­che jede kleins­te Bewe­gung zu ver­mei­den und wie­der ver­ge­hen eini­ge Minu­ten, ohne dass der Hirsch auch nur einen Schritt nach vorn macht. Nach etwa 20 Minu­ten wird es Ian zu bunt und er ver­kün­det mir, dass er selbst ein paar Mal röh­ren will um den Hirsch so aus sei­nem Ver­steck her­vor­zu­lo­cken. Tat­säch­lich wird es all­mäh­lich Zeit, denn die Son­ne bewegt sich lang­sam aber sicher hin­ter den Gebirgs­kamm. Wäh­rend­des­sen hal­len urzeit­li­che Lau­te durch das Tal, als Ian sei­ne Inter­pre­ta­ti­on des Rot­wild-Röh­rens anstimmt. Den Hirsch inter­es­siert die­se Kako­fo­nie nur wenig bis gar nicht. Nach guten 20 Minu­ten kommt die Käl­te durch mei­ne Rid­ge­li­ne Eli­te Smock. Der Ano­rak hält zwar auch bei einem Mon­sun tro­cken und ist genau das Rich­ti­ge für die Pirsch in einer Umge­bung wie den High­lands, doch für eine der­art lan­ge Zeit auf einem kal­ten Fel­sen inklu­si­ve durch geschwitz­ten Hemd fehlt ihm ein­fach das nöti­ge Fut­ter um warm zu hal­ten. Dafür ist er auch nicht kon­zi­piert. Mei­ne Bei­ne sind, trotz­dem sie im nas­sen Hei­de­kraut lie­gen, dank mei­nen Tweed Plus Fours, die mir in den fol­gen­den Tagen noch­mals buch­stäb­lich den Arsch ret­ten wer­den, wei­ter­hin schön warm. Dann fängt mein Ober­kör­per lang­sam an zu zit­tern. „Schei­ße“, den­ke ich „wenn das schlim­mer wird kann ich unmög­lich schie­ßen! Nicht auf 200 Metern.“ Ian bemerkt von oben, dass ich lang­sam abbaue und fragt mich ob alles ok ist. Dann macht der Hirsch einen Schritt nach vorn und ich kann zumin­dest bis zum Trä­ger­an­satz sehen. Noch ein Schritt. Und noch einer. Dann steht er frei, dreht auf den hin­te­ren Scha­len um und läuft spitz von uns weg. Sofort beginnt Ian mit einer Zuga­be und röhrt sich die See­le aus der Lun­ge. Dazwi­schen gibt er mir zu ver­ste­hen, ich sol­le schie­ßen, wenn ich mei­ne es passt. Ich nicke und rei­ße mich zusam­men. Für etwa 2 Sekun­den kann ich das Zit­tern mei­nes Ober­kör­pers unter­bin­den, dann setzt es wie­der ein. „Muss rei­chen“, den­ke ich. Im sel­ben Moment blickt der Hirsch sich noch­mals um und stellt sich breit. Ein Schuss aufs Herz ist nicht mög­lich, also hal­te ich etwas höher knapp hin­ters Blatt, span­ne mei­nen Kör­per an, damit ich auf­hö­re zu zit­tern und las­se flie­gen. Der Kugel­schlag ist deut­lich zu hören und ich bin mir sicher, gut abge­kom­men zu sein. Der Hirsch kippt jedoch nicht um. Den gan­zen Kör­per ange­spannt steht er steif da. „Brunft­hirsch“, den­ke ich und blei­be vor­sichts­hal­ber im Anschlag. Sicher ist sicher. Dann ein Schritt nach vorn und der Hirsch bricht zusam­men und fällt etwa 3 Meter tief, berap­pelt sich und schafft es noch ein letz­tes Mal auf die Bei­ne. „Give him ano­t­her“, sagt Ian von rechts, doch in die­sem Moment bricht der Hirsch end­gül­tig zusam­men. Wir packen schnell zusam­men, und ich hole mei­ne Frau zu uns wäh­rend Ian sich bereits in Rich­tung Hirsch bewegt. Die Ent­fer­nung will nicht klei­ner wer­den, doch dann ste­hen wir end­lich zu dritt vor dem Hirsch. Der Schuss sitzt genau da, wo ich ihn haben woll­te.

Wir bre­chen schnell das Nöti­ge auf und Ian funkt Ian an. Nach einer Wei­le sehen wir das Ket­ten­fahr­zeug von weit ent­fernt auf uns zukom­men. Immer wie­der hört man über Funk Ians flu­chen. „This place is hellish!“ Es hilft nichts, wir müs­sen den Hirsch wenigs­tens vom Hang her­un­ter­zie­hen, was uns unse­re letz­ten Kräf­te kos­tet. „Let it go when it starts to move, other­wi­se you will have three arse­holes!“ Den Tipp beher­zi­ge ich und glück­li­cher­wei­se schafft der Hirsch die Hälf­te des Weges allein. Im letz­ten Licht laden wir den Hirsch auf unser Gefährt und machen uns durch die mitt­ler­wei­le stock­fins­te­re Land­schaft zurück in Rich­tung Jagd­hüt­te. Um 9 abends sind wir zurück an unse­rem Cot­ta­ge. Als Ian an sei­nem Haus vor­bei fährt ist er sich sicher „my wife will tell me off for kee­ping you out so long!“. Ich spre­che ein paar beschwich­ti­gen­de Wor­te, denn trotz oder genau wegen die­ses kräf­te­zeh­ren­den Tages bin ich über­glück­lich. Für vie­le mag eine sol­che Anstren­gung für einen Ach­ter-Hirsch nicht wert sein unter­nom­men zu wer­den. Für mich, der ohne­hin nicht der gro­ße Tro­phä­en­jä­ger ist, macht sie genau den Reiz aus und die Tro­phäe dann letzt­end­lich doch zu etwas ganz Beson­de­rem.

Hirsche im Nebel

Am nächs­ten Mor­gen hängt mir der vor­he­ri­ge Tag etwas in den Kno­chen. Dazu pas­send scheint sich das Wet­ter dazu ent­schlos­sen zu haben, mein kör­per­li­ches Befin­den mit­tels Nebel und Nie­sel­re­gen meta­pho­risch und ganz thea­tra­lisch nach außen zu pro­ji­zie­ren. Als ich mir die HAIX schnü­re kommt Ian um die Ecke. In sei­nen Gesichts­zü­gen lässt sich deut­lich able­sen, dass der Gute eben­falls nicht ganz frisch ist. Ver­ständ­lich, die Stag Sea­son ist mitt­ler­wei­le in ihrer letz­ten Woche, das bedeu­tet, dass der Kerl nicht weni­ger als 14 Wochen durch die Land­schaft rennt. An der Jagd­hüt­te ange­kom­men, las­sen wir uns mit unse­rem Kaf­fee etwas mehr Zeit, bevor wir erneut das Ket­ten­fahr­zeug bestei­gen. Der Wind kommt heu­te aus Osten, also lau­tet der Plan, die Hügel­ket­te an die­sem Tag von der ande­ren Sei­te anzu­ge­hen und zu bestei­gen. Ian Num­mer Zwei setzt uns dazu hin­ter einer klei­nen Erhö­hung ab, die uns vor even­tu­el­len neu­gie­ri­gen Bli­cken schützt, wäh­rend wir uns Fern­glä­ser und Ruck­sä­cke über­schnal­len. Ian ver­schwin­det kurz auf den Hügel, um einen ers­ten Blick zu ris­kie­ren, wäh­rend wir uns mit Mil­ly beschäf­ti­gen, einer leicht über­ge­wich­ti­gen Jack-Rus­sel-Ter­ri­er-Dame, die der Frau von Ian Num­mer 2 gehört und uns auf den Fahr­ten in und aus dem Revier stets treu beglei­tet. Als Ian zurück­kommt, stellt er mich vor die Wahl: In etwa 300 Meter Ent­fer­nung ste­hen drei jun­ge und zudem extrem schlecht ver­an­lag­te Hir­sche. Das sei nor­ma­ler­wei­se ein Abschuss den er sel­ber erle­di­gen wür­de, aber ich mer­ke, dass mein Freund ein schlech­tes Gefühl dabei hat, in mei­ner Gegen­wart einen Hege­ab­schuss zu täti­gen, ohne dass ich über­haupt einen Hirsch im Anblick hat­te. Also fragt er mich, ob ich es ver­su­chen wol­le. „Sure,“ ant­wor­te ich, mit dem Gedan­ken im Kopf, dass abzüg­lich mei­nes Hir­sches vom Vor­tag noch 16 wei­ter in den nächs­ten 6 Tagen zu erle­gen sind. Ein unmög­li­ches Unter­fan­gen, also ver­su­che ich ihn mit die­sem einen so gut es geht zu unter­stüt­zen. Wir pir­schen uns erneut auf 200 Meter her­an und absol­vie­ren noch­mals 50 Meter über dem Bauch rob­bend. Der Hirsch stellt sich breit und erneut bin ich noch im Schuss ver­blüfft von der Sako, die mir eine unge­heu­re Sicher­heit gibt und auch die­ses Mal für den per­fek­ten Herz­schuss sorgt. Nur fin­den kön­nen wir den Hirsch anschlie­ßen nicht und so ver­ge­hen gute 10 bis 15 ban­ge Minu­ten, bis Ian mich her­ruft. Der Hirsch ist noch gute 150 Meter gelau­fen, die in einer Land­schaft aus klei­nen und grö­ße­ren Hügeln sowie eini­gen Grä­ben und Bächen das Auf­fin­den des Wil­des schon mal etwas schwie­ri­ger gestal­ten kön­nen. Wir bre­chen den gerin­gen jun­gen Hirsch auf und ent­schlie­ßen uns ange­sichts des Nie­sel­re­gens erst ein­mal unser Lunch im tro­cke­nen Ket­ten­fahr­zeug ein­zu­neh­men.

Danach machen wir uns an den Auf­stieg an der fla­che­ren Sei­te der Hügel­ket­te. Dabei treibt uns der kräf­ti­ger wer­den­de Wind den Regen direkt in unse­re Gesich­ter. Erneut mache ich mir um mein eige­nes Wohl­be­fin­den über­haupt kei­ne Sor­gen, dre­he mich aber immer wie­der zu mei­ner Frau um, deren neue Mon­tur sich erst noch bewei­sen muss. Beim The­ma Schu­he und Hose weiß ich sie dank HAIX und Deer­hun­ter seit dem Torftauch­gang auf der siche­ren Sei­te. Nun muss die Mall­ard Jacke von Rid­ge­li­ne zei­gen, dass sie dicht hält und vor allem die Kör­per­wär­me beim anstren­gen­den Auf­stieg gut abtrans­por­tiert. Letz­te­res ist selbst mit dem dar­un­ter­lie­gen­den wär­men­den Hin­ter­land Fleece kein Pro­blem. „Alles rich­tig ein­ge­kauft“, den­ke ich mir. Bei die­sem Wet­ter mei­ne durch­näss­te und frie­ren­de Frau für einen mög­li­chen Schuss zurück­zu­las­sen, der unter Umstän­den etwas dau­ernd könn­te bie­tet auch in der bes­ten Ehe eini­ges an Kon­flikt­po­ten­ti­al.

Wir sind gera­de erst im Hang ange­kom­men und stei­gen lang­sam höher, da ertönt irgend­wo vor uns ein tie­fes Röh­ren. Zu sehen ist nichts, wie auch? Der Regen fis­selt ste­tig in unse­re Augen und zudem ist es so die­sig, dass die Sicht weni­ger als 50 Meter beträgt. Also ver­las­sen wir uns auf unser Gehör und fol­gen dem immer wie­der­keh­ren­den Röh­ren. Als Ian eine mit ein paar vor uns lie­gen­den Fels­bro­cken pas­sen­de Stel­le zum Spio­nie­ren fin­det hal­ten wir. Mitt­ler­wei­le erschallt das Röh­ren in deut­lich kür­ze­rer Ent­fer­nung und der Game Kee­per und ich wagen auf unse­ren Kni­en einen Blick über die Kan­te der Fel­sen. Vor uns tut sich ein klei­nes Tal auf, das auf der lin­ken Sei­te wei­ter aus­läuft. Rechts davon beschreibt eine lang­ge­zo­ge­ne Berg­wand einen Halb­kreis. Bevor ich über­haupt irgend­et­was erken­nen kann, öff­net Ian auch schon das Fut­te­ral. Er berei­tet die Sako vor und posi­tio­niert sie vor mir auf dem Fel­sen. „Kannst du so schie­ßen?“ fragt er mich. Ich stel­le ihm die Gegen­fra­ge: „Wor­auf?“ Anhand ein paar mar­kan­ter Punk­te im Gelän­de, wie etwa einem drei­ecki­gen Fels, ver­sucht er mich auf meh­re­re Hir­sche auf­merk­sam zu machen. Ich wäre schon froh, wenn ich über­haupt nur einen sehen wür­de. „Du brauchst Bäu­me um sie zu sehen, oder,“ fragt mich Ian und ich glau­be etwas mehr Kon­trast wür­de sicher nicht scha­den. Ich bemü­he mich wei­ter, bis ich die Kon­tu­ren und wirk­lich nur die Kon­tu­ren eines Hir­sches erken­nen kann. Den meint Ian nicht. Viel­mehr will er mir weiß machen, dass sich aktu­ell vier Hir­sche im Hang vor uns befin­den. Wei­ter geht die Suche und ich erken­ne einen zwei­ten, das aber auch nur, weil sein Haupt mitt­ler­wei­le kon­trast­reich über die Berg­kup­pe ragt. Bis ich den rich­ti­gen Hirsch im Glas habe ver­geht eini­ge Zeit. Als Ian sich sicher ist, dass wir über den­sel­ben Hirsch spre­chen, erklärt er mir, ich sol­le so viel höher hal­ten und beschreibt dabei mit Dau­men und Zei­ge­fin­ger gute 5cm. Ich bli­cke durchs Ziel­fern­rohr und sehe nur Wasch­kü­che. Für einen Schuss wür­de mir viel­leicht genau eine Sekun­de blei­ben, denn genau so viel Zeit benö­tigt der uns ent­ge­gen fis­seln­de Regen, um die Optik kom­plett blind zu machen. Wie oft Ian in den nächs­ten 10 Minu­ten sowohl Ziel­fern­rohr als auch sein Fern­glas mit sei­nem Taschen­tuch tro­cken­wischt, ich weiß es nicht. Tat­säch­lich zie­hen die Hir­sche samt Kahl­wild nach die­ser Zeit ab. Ein siche­rer Schuss wäre unter die­sen Umstän­den ohne­hin nicht mög­lich gewe­sen, man muss es ja nicht über­trei­ben. Also packen wir erneut zusam­men und es geht wei­ter auf­wärts.

Irgend­wann dreht jemand den Hahn zu und es hört auf zu Regen. Der Nebel oder bes­ser gesagt Dunst bleibt. Immer wei­ter geht es nach oben, Ian scheint es heu­te erzwin­gen zu wol­len. Ein Kunst­stück was bei der Jagd nur sel­ten bis nie gelingt. Immer wie­der hören wir Röh­ren, das aus allen Rich­tun­gen zu kom­men scheint und plötz­lich ste­hen wir mit­ten drin. Um uns her­um kön­nen wir ganz deut­lich min­des­tens sechs ver­schie­de­ne Hir­sche hören, nur sehen kön­nen wir nicht einen. Die Sicht hier oben beträgt, wenn über­haupt, nur noch 30 Meter. Wir ver­har­ren kurz und Ian zückt sein Fern­glas, ich ver­su­che es gar nicht erst und auch mein Freund muss sich nach eini­gen Minu­ten ein­ge­ste­hen, dass es hier oben nichts zu machen ist. Also geht es wie­der abwärts und mei­ne Knie fra­gen mich ob ich noch alle Lat­ten am Zaun hät­te. Ich weiß war­um ich aus­schließ­lich hoch­ge­schäf­te­ten Schu­hen ver­traue, nicht nur in den High­lands. Mei­ne Natu­re One Stie­fel geben mir die nöti­ge Sta­bi­li­tät und Sicher­heit, auch als mei­ne rech­ter Fuß mei­nem Wan­der­stock folgt und in einem über­wach­se­nen Loch ver­schwin­det. Nach einer Wei­le haben wir den steils­ten Teil gemeis­tert, da lässt sich Ian vor plötz­lich wie ein nas­ser Sack fal­len. Das kann nur eins bedeu­ten und sofort tun mei­ne Frau und ich es ihm gleich. Noch nicht ganz im nas­sen Hei­de­kraut ange­kom­men sehe ich, wie der Schot­te has­tig das Fut­te­ral öff­net, fast geräusch­los eine Kugel in die Kam­mer repe­tiert und los robbt. Ich habe gera­de noch Zeit mei­nen Ruck­sack abzu­le­gen, dann hän­ge ich auch schon mit dem Gesicht nur weni­ge Zen­ti­me­ter hin­ter sei­ner Soh­le. Weit haben wir es nicht: Nach nur ein paar Metern blei­ben wir vor einer klei­nen Erhö­hung im Boden, die uns auch nur so eben Schutz gibt, lie­gen. „Have you seen him?“ fragt mich Ian. „The­re was no time to see any­thing“, ant­wor­te ich und er erklärt mir, dass vor uns ein alter Hirsch steht. Um nach der Ent­fer­nung zu fra­gen bleibt kei­ne Zeit, Ian macht mir klar, dass jetzt alles ganz schnell gehen muss, der Hirsch hat uns bereits mit­be­kom­men. Ich schie­be die Sako nur weni­ge Zen­ti­me­ter, da habe ich den Hirsch auch schon im Glas. Er steht auf etwa 150 Meter spitz und blickt in unse­re Rich­tung. Vom Gebäu­de scheint er älter zu sein aber ich habe kei­ne Zeit mehr zu sehen was er auf hat, denn in die­sem Moment stellt er sich kurz breit, ist aber eigent­lich schon dabei die Flucht zu ergrei­fen. In die­sem Bruch­teil einer Sekun­de, der wie in Zeit­lu­pe ver­geht, ent­schei­de ich mich für den Schuss. Der Kugel­schlag ist satt und der Hirsch fällt im Knall. „Good shot,“ schallt es von links gefolgt von einem sat­ten Klat­scher, als Ian mir auf die Schul­ter schlägt. Als wir an den Hir­schen her­an­tre­ten ist schnell klar, der unge­ra­de Ach­ter muss älter ein. Tat­sa­che. Wir schau­en in den Äser und unse­re Fin­ger strei­chen über eine ange­nehm glat­te Ober­flä­che. „15 years“ kom­men­tiert Ian knapp und ich kann mir das Grin­sen nicht ver­knei­fen.

Was mich etwas mehr als zwei Stun­den spä­ter zurück auf dem Esta­te im Zer­wirk­raum bzw. der Kühl­kam­mer erwar­tet, stellt mei­ne Auf­fas­sung einer von ver­nünf­ti­ger Wild­brethy­gie­ne auf den Kopf. Wäh­rend Ian und ich die bei­den Hir­sche vom Ran­ger laden, öff­net Ian Num­mer 2 die Pfor­ten zum Hygie­ne-Olymp: Rohr­bahn samt inte­grier­ter Digi­tal­waa­ge, meh­re­re Sta­tio­nen zum Hän­de­wa­schen, fugen­lo­ser Boden mit Abfluss auf kom­plet­ter Län­ge, ein extra Raum für den Papier­kram, und eine Kühl­kam­mer von der Grö­ße „wenn es der Wild­händ­ler mal ein paar Tage nicht schafft“, wie Ian mir unge­fragt erklärt, nach­dem er den Aus­druck auf mei­nem Gesicht gese­hen haben muss. Klar, ähn­li­che Ein­rich­tun­gen habe ich auch schon bei uns gese­hen und bin mit Ians Arbeit nach dem Schuss mehr als ver­traut, aber die Pro­fes­sio­na­li­tät die der Game Kee­per und sein Ghil­lie beim Zer­wir­ken des Hir­sches an den Tag legen bein­druckt mich zutiefst. Ins­be­son­de­re die Art und Wei­se, wie das erleg­te Stück als hoch­wer­ti­ges Lebens­mit­tel respek­tiert und gehand­habt wird, soll­te so man­chen als Lehr­film in Dau­er­schlei­fe vor­ge­führt wer­den. Ich schaue mir den einen oder ande­ren Hand­griff ab und nach­dem wir gemein­schaft­lich alles wie­der blit­ze­blank geputzt haben, ver­ab­schie­de ich mich und freue mich auf ein küh­les Ale und einen hei­ßen Steak Pie. Natür­lich mit Hirsch­fül­lung. Den Scotch geneh­mi­gen wir uns dann aller­dings nach geta­ner Arbeit noch gemein­schaft­lich.

Beautiful scenery, eh?“

 Am nächs­ten Mor­gen fin­de ich alles wie gewohnt vor als ich aus dem Fens­ter schaue. Der freie, unge­trüb­ter Blick aufs Loch und die ers­ten Son­nen­strah­len die bereits durch die weni­gen Wol­ken bre­chen, las­sen erah­nen, dass uns ein weni­ger regen­rei­cher Tag in den High­lands erwar­ten wird, als es der gest­ri­ge war. Wie schön der Tag nicht nur vom Wet­ter her wer­den wür­de, ahne ich zu die­sem Zeit­punkt noch nicht. Erneut machen wir uns auf ins Revier, zuerst mit den Pick-Ups, dann mit dem Ket­ten­fahr­zeug. Die Stim­mung ist aus­ge­las­sen, trotz­dem bereue ich es jetzt schon ein wenig am nächs­ten Mor­gen wie­der die Heim­rei­se antre­ten zu müs­sen, als wir plötz­lich hal­ten und ich den Gedan­ken ver­lie­re und wir unse­ren Weg zu Fuß fort­setz­ten. Bei strah­len­dem Son­nen­schein lau­fen wir eini­ge Zeit einen klei­nen Fluss ent­lang, den wir hin und wie­der an fla­che­ren Stel­len durch­que­ren. Dabei macht sich bei mir ein wenig Erschöp­fung durch ein paar unsi­che­re Trit­te bemerk­bar. Nach etwa zwei Stun­den las­sen wir uns neben dem klei­nen Fluss mit sei­nem glas­kla­ren und eis­kal­ten Was­ser nie­der, um Aus­schau nach Hir­schen zu hal­ten. Das Sanc­tua­ry befin­det sich zu unse­rer lin­ken und Ian kon­zen­triert sich kom­plett auf die rech­te Sei­te als er zuerst durch sein Fern­glas und dann sein tra­di­tio­nel­les Fern­rohr blickt und einen jun­gen Hirsch samt Alt­tier, sowie in eini­ger Ent­fer­nung ein grö­ße­res Rudel aus­macht. Er erklärt mir kurz wo ich hin­schau­en muss und ich stel­le fest, dass uns unser Weg zwar erneut auf den Berg­kamm füh­ren wird, der aber an die­ser Sei­te zugäng­li­cher zu sein scheint. Wir set­zen unse­ren Weg ent­lang des Flus­ses fort, der uns dank sei­ner tie­fe­ren Lage die nöti­ge Deckung gibt. Dann geht es plötz­lich wie im Trep­pen­haus steil nach oben und der Fluss wird zu einem klei­nen Bach der immer schma­ler wird. Nach eini­ger Zeit hal­ten wir mit roten Gesich­tern und damp­fen­den Häup­tern inne, kurz bevor es auf eine wei­te­re fla­che Ebe­ne geht. Ian schaut noch­mals durch sein Glas zuerst nach links, wo er noch immer den jun­gen Hirsch samt Kahl­wild aus­ma­chen kann. Rechts von uns steht bzw. liegt noch immer das Rudel samt Hirsch, den ich bis dahin wohl gemerkt nicht ein ein­zi­ges Mal sehen konn­te. So auch dies­mal, denn Ian kommt auf­fal­lend lei­se zurück und teilt mei­ner Frau mit, sie sol­le erneut an Ort und Stel­le war­ten. Ich lege mei­nen Ruck­sack ab und ein letz­tes Mal zie­hen Ian und ich allei­ne los, um näher an das Rudel zu kom­men. Lang­sam geht uns die Deckung aus und der Wind dreht immer wie­der, was unser Unter­fan­gen nicht ein­fa­cher macht. Da stol­pern wir sprich­wört­lich in einen aus­ge­wa­sche­nen Torf­gra­ben, wel­chen wir fort­an mit gebück­ter Hal­tung mög­lichst lei­se durch­schrei­ten, was uns bis auf das Schmat­zen unse­re Stie­fel im mat­schi­gen Unter­grund auch ganz gut gelingt. Wir hal­ten nach eini­gen Minu­ten aber­mals inne und ich gebe Ian erneut den allei­ni­gen Vor­tritt beim Blick durchs Glas. Dann packt er mei­ne Schul­ter und zieht mich lang­sam genau so viel nach oben, dass ich mit mei­nen Augen soeben aus unse­rer Deckung her­vor­se­hen kann, hält mich dabei aber wei­ter fest, damit ich auch ja kei­ne fal­sche Bewe­gung mache. Dann sehe ich zum ers­ten Mal den Hirsch, hin­ter dem wir nun bereits seit eini­gen Stun­den her sind: Stark im Wild­kör­per und, soviel kann ich bereits auf den ers­ten Blick ohne wirk­li­ches Nach­zäh­len sehen, min­des­tens ein Zeh­ner, dazu mit lan­gen Stan­gen. Nach­dem ich Ian bestä­ti­gen kann, dass ich den Hirsch gese­hen habe, zieht er mich sofort wie­der in den Torf, zu groß ist die Gefahr, dass eines der zahl­rei­chen Stü­cke Kahl­wild uns mit­be­kommt. „That’s way more than 200 metres“, stel­le ich nüch­tern fest und mein Freund nickt. Ich tip­pe auf etwas mehr als 300 Meter. Wir müs­sen wei­ter ran und dazu den Torf­gra­ben ver­las­sen. Also geht es von nun an gute 100 Meter auf dem Bauch rut­schend wei­ter. Als mei­ne unte­re Kör­per­hälf­te sich eng an den Boden anschmiegt, der sich anfühlt wie ein nas­ser Schwamm, der kei­nen Trop­fen Was­ser mehr auf­neh­men kann, schre­cke ich zunächst zurück, den­ke mir dann aber, dass wenn sich mei­ne Tweed Plus Fours bewäh­ren kön­nen, dann jetzt! In den ver­gan­ge­nen Tagen hat mich die Wol­le stets warm und vor allem tro­cken gehal­ten, selbst bei mir ent­ge­gen­schla­gen­den Regen, und auf kal­ten feuch­ten Fel­sen. Ich mer­ke wie sich der Stoff ein wenig voll­saugt, kann aber nicht fest­stel­len, dass ich trie­fend nass bin, im Gegen­teil. Auch noch Stun­den spä­ter, in denen ich mei­ne Plus Fours noch tra­gen wer­de und jeg­li­cher moder­ner Mem­bran, abge­se­hen von mei­nem Rid­ge­li­ne Smock auf ewig abschwö­ren wer­de, hält mich der Tweed warm und tro­cken, genau wie Ian es mir pro­phe­zeit hat­te. Hat man ein­mal die men­ta­le Hür­de über­wun­den sich mit einer „schlich­ten“ Woll­ho­se ins Nas­se zu legen, um das Ergeb­nis am eige­nen Leib zu spü­ren, erlebt man einen Heu­re­ka Moment, der einen ange­sichts immer teu­re­rer und dazu immer pixe­li­ger getarn­ter moder­ner Jagd­be­klei­dung mit neu­es­ter Mem­bra­ne ver­ach­tungs­voll das Haupt schüt­teln lässt. So machen wir Meter für Meter gut, bis wir unser Ziel errei­chen, eine Mini-Erhö­hung im Boden, auf die wir uns in Zeit­lu­pe schie­ben, bis wir freie Sicht haben. Die Sako vor mir auf dem Zwei­bein gestützt, traue ich mich nicht mein Lei­ca in die Hand zu neh­men und bli­cke fort­an nur noch durch die Ziel­op­tik. „Beau­ti­ful sce­ne­ry, eh?“ fragt mich Ian, nach­dem wir bereits gute 20 Minu­ten im trie­fend nas­sen Hei­de­kraut lie­gen. 200 Meter vor uns liegt unter einem fast wol­ken­lo­sen blau­en Him­mel und in Son­ne getaucht der star­ke Hirsch, umge­ben von etwa 20 Stück Kahl­wild, das sich zum Teil eben­falls nie­der­ge­tan hat oder vor sich hin äst. Um uns her­um kön­nen wir min­des­tens zwei wei­te­re Hir­sche röh­ren hören, die wir zwar nicht sehen, wel­che aber nicht weit vom Rudel ste­hen kön­nen. Als Ant­wort brin­ge ich nur ein leich­tes Kopf­ni­cken zustan­de, über­wäl­tigt von dem Anblick, der sich mir und mei­nem befreun­de­ten Game Kee­per bie­tet. In die­sem Augen­blick ist es mir völ­lig gleich­gül­tig, ob der Hirsch sich noch­mal breit­stellt. Der Schuss rückt für mich plötz­lich völ­lig in den Hin­ter­grund, denn dies ist einer der schöns­ten jagd­li­chen Momen­te, die ich bis­her erle­ben durf­te. Da reißt mich plötz­lich eine klei­ne Bewe­gung aus mei­nen Gedan­ken: Hin­ter der klei­nen Kup­pe, vor der sich der Hirsch nie­der­ge­tan hat, mache ich ein vor­bei­zie­hen­des Geweih aus. Der Hirsch steht auf und wäh­rend ich noch halb im gedank­li­chen Nir­va­na trei­be, höre ich von links neben mir Ians Stim­me, die mir in die­sem Moment von mei­len­weit ent­fernt zuzu­ru­fen scheint: „Ok Tim, when you’re ready…“. Ich bin völ­lig ruhig. Ein mir eigent­lich nicht bekann­ter Zustand, packt mich doch oft­mals schon früh das Jagd­fie­ber. Zwar fan­ge ich nicht an am gan­zen Kör­per zu zit­tern, jedoch geht mein Puls doch stets merk­lich in die Höhe. Der Hirsch dreht der­weil ab und ver­schwin­det im Troll hin­ter der Kup­pe, hin­ter der wir das Geweih aus­ma­chen konn­ten. Kur­ze Zeit spä­ter und schein­bar erfolg­reich in sei­ner Absicht, sei­nen Kon­tra­hen­ten auf Abstand zu hal­ten kommt er spitz auf uns zu und bringt dabei ein Stück Kahl­wild auf die Läu­fe, das vor ihm liegt. So macht er viel­leicht 20 bis 30 Meter gut und steht nun noch immer spitz auf etwa 200 Meter Ent­fer­nung vor, ver­harrt und dreht nach rechts ab, wo ein wei­te­res Stück Kahl­wild steht. Er macht drei, viel­leicht vier Schrit­te, dann atme ich lan­ge aus und las­se flie­gen. Ein mas­si­ger klin­gen­der Kugel­schlag folgt nach einer gefühl­ten Ewig­keit dem gedämpf­ten Knall mei­nes Schus­ses. Der Hirsch macht 2 Schrit­te und liegt. Noch beim Blick durch das Ziel­fern­rohr kann ich klar erken­nen, dass ich genau das Herz getrof­fen haben muss. Schot­ten loben sel­ten über­schwäng­lich und umso über­rasch­ter bin ich, als Ian, nach­dem er mir erneut kräf­tig auf die Schul­ter geschla­gen hat, mir auch noch die Hand hin­hält, die ich über­glück­lich schüt­te­le, wäh­rend er immer wie­der „Good shot!“ sagt. Nun ist es mit mei­ner Ruhe vor­bei und das Adre­na­lin kriecht in mir hoch und zu Kopf als ich anfan­ge drauf­los zu quas­seln wie ein Was­ser­fall und Ian dabei unter ande­rem wohl ver­spre­che, mir Zuhau­se sofort eine Sako kau­fen zu wol­len und, und, und. Gut­mü­tig wie er ist hört er mir eine Wei­le zu und unter­bricht mich end­lich mit den Wor­ten „Don’t you want to get you wife?“ Ähm, ja…klar. Also lau­fe ich wie auf Wol­ken zu mei­ner Frau, mein brei­tes Grin­sen lässt ihre Fra­ge nach mei­nem Jagd­er­folg mit­ten­drin ver­stum­men. Auf dem Weg zurück zu Ian fal­le ich wie­der ver­bal über mein neu gefun­de­nes Opfer her und berich­te von dem Erleb­ten. Dann machen wir uns zu dritt auf in Rich­tung Hirsch. Dort ange­kom­men über­kommt mich ein unglaub­li­ches Gefühl: Ich schaue auf den vor mir lie­gen­de Eis­spross­en­zeh­ner her­ab, gehe in die Hocke und fas­se ihm ehr­fürch­tig an den Trä­ger. Dann hebe ich erneut mei­nen Blick und wer­de mir der Aus­sicht bewusst, die gan­ze Zeit hin­ter uns lag. Von hier oben kann ich sogar bis zur Jagd­hüt­te und über das Loch bli­cken. Die Braun­tö­ne der High­lands erschei­nen in die­ser in Son­ne getauch­ten Stim­mung wie gol­den. Ian reißt mich aus mei­nen Gedan­ken. „Unfaith­ful to the last,“ bemerkt er lachend und deu­tet in Rich­tung Kahl­wild, dem die Kon­kur­renz bereits ers­te Avan­cen macht.

Ian Num­mer 2 stößt nach eini­ger Zeit zu uns und wir laden den Hirsch ins Ket­ten­fahr­zeug. Ich hel­fe mei­ner Frau dabei, über die Krea­tur auf ihren Sitz zu klet­tern und neh­me dann eben­falls platz. Mit dem Rücken in Fahrt­rich­tung fah­rend bli­cken wir noch­mal auf den Berg­kamm hin­auf. Vor dem blau­en Him­mel malt sich das Kahl­wild ab, das uns genau beob­ach­tet. Mei­ne rech­te Hand gestützt auf einer Stan­ge des Hir­sches, genie­ße ich wort­los den Aus­blick und das per­fek­te Ende einer erneut wun­der­schö­nen (Jagd)Reise nach Schott­land.

Und wäh­rend wir lang­sam, aber dafür umso rucke­li­ger Rich­tung Jagd­hüt­te fah­ren, kom­men mir die ers­ten Zei­len eines Gedichts von Robert Burns, Schott­lands Natio­nal­poe­ten, in den Sinn, über dass ich bereits wäh­rend mei­ner ers­ten Rei­se in die High­lands in einem Sam­mel­band gestol­pert war und wel­ches die­sem einen schöns­ten mei­ner Jagd­er­leb­nis nicht tref­fen­der Aus­druck ver­lei­hen könn­te:

Fare­well to the High­lands, fare­well to the North,

The birth-place of Valour, the coun­try of Worth;

Whe­re­ver I wan­der, whe­re­ver I rove,

The hills of the High­lands for ever I love.

 

My heart’s in the High­lands, my heart is not here,

My heart’s in the High­lands, a-cha­sing the deer;

Cha­sing the wild-deer, and fol­lo­wing the roe,

My heart’s in the High­lands, whe­re­ver I go.

 

 

 

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Am Anfang stand die Fra­ge „Was zie­he ich an?“

Was zie­he ich an?“ mit die­ser Fra­ge hat alles begon­nen. Aber bei Waid­life-Mit­grün­de­rin Bir­git Ran­ge ging es vor über einem Jahr nicht um die Fra­ge wel­ches Abend­kleid man trägt… eher um die rich­ti­ge Beklei­dung für die Jagd. Sie lag ihrem Mann Oli­ver Ran­ge in den Ohren und erklär­te ihm, wie schwie­rig es sei, als Frau pas­sen­de Kla­mot­ten zu fin­den. Die­se Unter­hal­tung ist Oli­ver Ran­ge noch im Gedächt­nis „Ich jam­me­re halt ungern über Pro­ble­me, ich suche lie­ber Lösun­gen.“ Zusam­men mit Tim Rött­ges, dem Drit­ten im Waid­life-Boot, war die­se Markt­lü­cke schnell iden­ti­fi­ziert. Und Waidlife.com war gebo­ren.

Die­ses Spek­ta­kel ist jetzt ein Jahr her. Ein Jahr, in dem viel pas­siert ist. Denn einen Shop für Jagd und Out­door stampft man nicht ein­fach so aus dem Boden. Wäh­rend die IT-Part­ner am Shop und Blog gear­bei­tet haben, haben die Waid­life Grün­der ihr Netz­werk gespon­nen. Eines der abso­lu­ten High­lights war dabei die Mes­sen Wild & Hund in Dort­mund und die Hohe Jagd in Salz­burg. Noch heu­te haben Oli­ver Ran­ge und Tim Rött­ges Kon­takt zu vie­len Her­stel­lern und Mes­se­be­su­chern.

Das ers­te eige­ne Pro­dukt in Form der grü­nen Waid­life-Caps kam bei vie­len Jägern so gut an, dass für Rött­ges schnell klar war: „Für die Drück­jagd­sai­son brau­chen wir das Cap auch in Rot“. Also haben die Waid­life-Macher auch hier nicht lang gefa­ckelt und bie­ten die Caps jetzt in zwei ver­schie­de­nen Vari­an­ten an.

Auf dem einen oder ande­ren Bild der Waid­life-Com­mu­nitiy sind die Caps bereits im Ein­satz. Teil die­ser Com­mu­ni­ty kann mit dem #Waid­life übri­gens jeder wer­den. „Von Jägern für Jäger“, das ist die Devi­se bei Waidlife.com und das ist natür­lich auch auf der eige­nen Face­book­sei­te und dem eige­nen Insta­gram-Account zu sehen. Die­ser Feed ist auf der Web­sei­te inte­griert und zeigt Momen­te aus dem Jäger­le­ben.

Wir haben gera­de erst Anlauf genom­men

Nach einem Jahr schau­en die Betei­lig­ten zufrie­den zurück und vol­ler Span­nung nach vor­ne. Denn die nächs­ten Schrit­te sind bereits geplant! In den kom­men­den Tagen wer­den die Umzugs­kar­tons im neu­en Büro in Köln aus­ge­packt. Denn Waidlife.com hat nun einen Platz im Co-Working-Space Start­platz in Köln bezo­gen. Das Kon­zept „Syn­er­gi­en schaf­fen und nut­zen“ von Co-Working-Spaces passt ein­fach per­fekt zum Waid­life-Gedan­ken.

Denn das The­ma Ver­net­zung wird Waid­life auch im zwei­ten Jahr vor­an­trei­ben, so sind gemein­sa­me Jag­de­vents bereits in Pla­nung. Der Leit­satz „von Jägern für Jäger“ soll sowohl im „nor­ma­len“ Leben, als auch digi­tal wei­ter ver­folgt wer­den. Des­halb sind im Blog und auf den Soci­al Media Kanä­len neben Pro­dukt­vor­stel­lun­gen der Her­stel­ler und Pro­dukt­tests auch Jagd­ge­schich­ten und Por­traits von Jägern aus ganz Deutsch­land geplant.

Aber bevor wir Voll­gas geben, fei­ern wir jetzt erst­mal unse­ren ers­ten Geburts­tag… viel­leicht schie­ßen wir ja noch nen Waid­life-Gebur­tags­bock…. Wer weiß….“ freu­en sich die Grün­der. Und Bir­git Ran­ge trägt zur Fei­er des Tages dann doch lie­ber ein Kleid als Jagd­kla­mot­ten.