Ort, Zeit und Methode – die Erfolgsfaktoren für die Blattjagd

Die Blat­ter – Erb­stü­cke vom Groß­va­ter.

Der Mann am Blat­ter – ein Jäger durch und durch, Reh­wild- und Blatt­jagd-Exper­te.

Das Publi­kum — Waid­män­ner und Waid­frau­en aus ganz Baden Würt­tem­berg.

Die Blatt­jagd­sai­son geht erst los, da kommt das Semi­nar in Hechin­gen gera­de recht. Hier konn­ten die Grund­kennt­nis­se ver­tieft, neue Metho­den erlernt und natür­lich nach Her­zens­lust gefach­sim­pelt wer­den. Als Gesprächs­part­ner stan­den Reh­wild- und Blatt­jag­d­ex­per­te Bertram Graf Quadt und Ver­an­stal­ter Mar­kus Schuler, selbst erfah­re­ner Jäger und Blatt­jagd­ver­rück­ter, Rede und Ant­wort. Gera­de weil beim Jagen die Theo­rie immer schön klingt, es in jedem Revier aber eine Her­aus­for­de­rung ist die­se anzu­wen­den, ging es für die Teil­neh­mer im ers­ten Semi­nar­teil raus in den Wald.

Dort fuhr Mar­kus Schuler in Hechin­gen-Schlatt ver­schie­de­ne Plät­ze an und nahm sie genau unter die Lupe. Quadt erklärt den Teil­neh­mern die 3 Säu­len des Blat­tens: rich­ti­ger Ort, rich­ti­ge Zeit, rich­ti­ge Art. Gleich beim ers­ten Stand die Fra­ge in die Run­de „Wür­den Sie hier blat­ten? Und wenn ja, war­um?“ Die Teil­neh­mer sehen sich um, neh­men den Bestand in Augen­schein, sehen den Drück­jagd­bock, der an einer Kan­te im Gelän­de steht. Hin­ter ihm geht es steil nach unten. Quadt blickt in fra­gen­de Gesich­ter. „Ich fin­de, das ist ein guter Platz. Reh­bö­cke — spe­zi­ell älte­re — kom­men sel­ten stei­le Hän­ge her­auf. Das ist eigent­lich auch logisch, denn der Bock ver­mu­tet hier durch unser Fie­pen ja einen Riva­len, mit dem es viel­leicht gleich Ärger geben wird.“ Quadt schaut einen Teil­neh­mer an „Klar, oder? Wenn „Mann“ gleich um sei­ne Frau kämp­fen muss, will man doch nicht völ­lig außer Atem oben ankom­men. Er wird wohl die Ser­pen­ti­nen wäh­len …“ Die Bli­cke der Teil­neh­mer ver­fol­gen schmun­zelnd den Weg den Quadt mit sei­nem Stock auf­zeigt. „Und wir haben hier, wo wir ste­hen, einen her­vor­ra­gen­den Platz. Wir haben den Über­blick, müs­sen kaum Angst haben, dass der Bock von hin­ten anwech­selt und haben rund­her­um Kugel­fang. Bes­ser geht’s ja fast nicht.“ Zustim­men­des Nicken.

 Des­halb — Raus ins Revier und erst­mal zuhö­ren!

Die knapp 40 Teil­neh­mer des Semi­nars sind bis auf weni­ge alle kei­ne Neu­lin­ge auf dem Gebiet der Blatt­jagd. Gemein­sam wird dis­ku­tiert, wie wich­tig hier an die­sem Platz Tarn­klei­dung ist und ob man hier bes­ser allei­ne oder zu weit blat­tet. Mar­kus Schuler, zu des­sen Revier die­ser Drück­jagd­bock gehört, erzählt aus der Pra­xis. Er hat hier in den letz­ten Jah­ren immer wie­der star­ke Böcke her­an­blat­ten und auch erle­gen kön­nen.

Es ist Mit­tags­zeit im Revier, es reg­net, ein Reh schreckt – oh halt, es ist der Refe­rent. Graf Quadt mimt den Bock und unter­hält damit nicht nur bril­lant, er ver­leiht sei­nen Wor­ten Nach­druckt und sorgt dafür, dass sie den Teil­neh­mern im Gedächt­nis blei­ben. „Um die „rich­ti­ge Zeit“ im Revier zu sein, das kann man nicht aus einem Buch ler­nen.“ mahnt der Exper­te, „Des­halb mein Rat: Geht raus! Jeder der ein Revier hat, geht so viel es geht raus. Passt euch dem an, was in eurem Revier los ist.“ Blatt­jagd ist Ganz­ta­ges­jagd. Wann der güns­tigs­te Zeit­punkt ist, erfährt der Jäger im Revier selbst, wenn er mit offe­nen Ohren im Revier ist.

Der bes­te Lehr­meis­ter ist sowie­so die Natur.“ ergänzt Mar­kus Schuler. „Natür­lich könnt und sollt ihr zuhau­se den Umgang mit dem Blat­ter üben, aber um es so echt wie mög­lich klin­gen zu las­sen, müsst ihr es mal gehört haben.“ Wel­che Mar­ke der Blat­ter an sich hat, spielt für die bei­den Refe­ren­ten kei­ne Rol­le. Es ist kei­ne Wer­be­ver­an­stal­tung. Jeder habe einen Blat­ter, der ihm beson­ders gut liegt. Säu­le drei der Bock­jagd-Theo­rie ist hier ent­schei­den­der als das ent­spre­chen­de Werk­zeug. Die gol­de­ne Regel lau­tet: In alle Rich­tun­gen blat­ten, denn egal ob Fie­pen einer Gaiss oder eines Schmal­rehs oder klas­si­scher Kitz­ruf – das Stück Reh­wild wird sich auch immer bewe­gen und nie still ste­hen. Graf Quadt ermu­tigt die Jäger außer­dem auch wei­te­re Lau­te, die im Brunft­ge­sche­hen vor­kom­men, zu imi­tie­ren, zum Bei­spiel Plät­zen, Fegen oder Keu­chen.

Es geht zurück in den Semi­nar­raum, wo die Teil­neh­mer bei lecke­rer Ver­pfle­gung, Brat­wurst und Ham­bur­gern natür­lich aus Wild, die Mög­lich­keit haben sich auch unter­ein­an­der aus­zu­tau­schen. Gemein­sam wird man­che Situa­ti­on des Revier­gangs noch­mal bespro­chen und kri­tisch hin­ter­fragt, bevor es dann in den Theo­rie­teil des Blatt­jagd­se­mi­nars geht. Nun kom­men zu den bereits erwähn­ten Grund­kennt­nis­sen auch spe­zi­el­le Tech­ni­ken für Fort­ge­schrit­te­ne, wie die „wan­deln­de Gaiss“, der „Rück­ruf“ oder auch das „geziel­te Ver­blat­ten“.

Lie­ber Schwit­zen statt Blit­zen

 Ein Pirsch­stock gehört für die Exper­ten neben dem Blat­ter zur Grund­aus­rüs­tung bei der Blatt­jagd. Schuler stellt wei­te­re Hilfs­mit­tel wie den mobi­len Tarn­stand vor, den er zusam­men mit sei­nem Vater jedes Jahr erfolg­reich zur Blatt­jagd nutzt. Und Graf Quadt schlüpft kur­zer­hand ins sei­ne 3D Tarn­ja­cke „Ich weiß, ich seh‘ aus wie ein Voll­idi­ot, aber der Zweck hei­ligt die Mit­tel.“ Er scherzt: „Lie­ber Schwit­zen als Blit­zen“ und ver­weist auf Hand­schu­he und lan­ge Hosen um so wenig hel­le Kör­per­stel­len zu zei­gen wie mög­lich.

Die Theo­rie sitzt nun nach die­sem sehr inten­si­ven Tag. Ob die Teil­neh­mer es in der Pra­xis umset­zen kön­nen, wird sich in den kom­men­den Wochen zei­gen. Denn die Blatt­jagd­sai­son hat gera­de erst ange­fan­gen. Es bleibt also noch genug Zeit um zu zuhö­ren oder zu üben. Waid­manns­heil!

 

Bertram Graf Quadt wur­de die Jagd­lei­den­schaft bereits in die Wie­ge gelegt. Die jagd­li­chen Wur­zeln sei­ner Fami­lie rei­chen bis ins Mit­tel­al­ter zurück. Sein Groß­va­ter, Her­zog Albrecht von Bay­ern, gilt als einer der bes­ten Reh­wild­ken­ner. Graf Quadt selbst war bereits mit 5 Jah­ren schon regel­mä­ßig auf der Jagd, bewaff­net mit dem Skiz­zen­block. Er ist nun nicht nur erfolg­rei­cher und bekann­ter Jagd­buch-Autor (u.a. „Blatt­jagd — Hand­buch für Prak­ti­ker“), son­dern auch ein ver­sier­ter Exper­te wenn’s ums Reh­wild geht.

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